Zukunft Pflege

In Bohmte fand anlässlich des 2. Seniorentages eine Podiumsdiskussion der Arbeitsgemeinschaft „60 Plus“ statt. Über Veränderungen in der Pflege diskutierten dort Politiker und Senioren.

Fakten, Fakten, Fakten

Hasbergens Bürgermeister Frank Stiller räumte gleich zu Beginn mit utopischen Vorstellungen auf. 20 Prozent der 360.000 Menschen des Landkreises seien über 65 Jahre alt. Der demographische Wandel Deutschlands zeigt, dass sich diese Zahlen zukünftig keinesfalls in eine positivere Richtung entwickeln werden.

Stillers Forderung: Pflegeplätze müssen künftig möglichst nahe an den Wohnorten der Menschen eingerichtet werden. Angehörige und Nachbarn könnten sich so in den Tagesablauf der zu betreuenden integrieren. Zwei wichtige Vorteile könnten sich daraus etablieren. Zum einen wäre der Aufenthalt im Pflege- oder Altenheim nicht mehr nur notwendigerweise der letzte Schritt, sondern eine gelungene Alternative zu den eigenen 4 Wänden und zum zweiten blieben die sozialen Strukturen weitestgehend erhalten.

Mit Pflegeberufen attraktiv in die Zukunft

Viele Einrichtungen beschreiten momentan einen guten Weg in Richtung Zukunft. Auch über diesen Punkt wurde intensiv diskutiert. Junge Menschen für die Pflege zu gewinnen ist momentan der einzige Weg um dem Pflegekräftemangel der Branche entgegen zu wirken.

Dabei sei es notwendig vor allem das Schuldgeld und die Prüfungsgebühr für die Auszubildenden abzuschaffen. Eine weitere Forderung muss definitiv die Bezahlung nach Tariflohn sein.

Doch nicht nur das Entgelt kommt zu kurz in diesem Berufszweig. Viele der Krankenpfleger übernehmen vermehrt die Aufgaben der häuslichen Krankenpflege. Für aktivierende Elemente bleibt selten Zeit. Mehr Arbeitskräfte könnten für eine Entlastung sorgen und gleichzeitig für eine qualitativ hochwertigere Pflege.

Erschwerte Rahmenbedingungen

Die sich ständig ändernden gesetzlichen Rahmenbedingungen, erschweren zusätzlich den Pflegealltag. Stetige Dokumentationen der Arbeit und sich häufende Prüfungsbesuche verlangen vielen Pflegern auch organisatorischen Aufwand ab. Zeit, die die Pflegebedürftigen gut gebrauchen könnten.

Auch die Pflegesätze seien seit langer Zeit unverändert. Der viel zu geringe Abschlag der Pflegeversicherungen zwingt Pflegebedürftige oft in qualitativ minderwertige Einrichtungen zu gehen. Die Kosten dort sind aufgrund z.B. weniger Pfleger oft viel geringer. Die Leistungen aber auch dementsprechend.

Die Beitragskassen argumentieren, dass bei einem höheren Pflegesatz auch die Beitragsbemessungsgrenze angehoben werden müsse.

Die Politik ist sich insofern einig, dass Änderungen im Gesundheitssystem definitiv der Änderung bedürfen. Doch wann diese umgesetzt werden, wurde auch in dieser Diskussion nicht herausgefunden.

Pflegenotstandort Deutschland

Aufbewahrt und stillgestellt – Alltag in Pflegeheimen

Brigitte ist seit 10 Jahren Altenpflegerin in Berlin. Zeitweise hat sie mehr als 40 alte Menschen betreut. Allein. Personalmangel und Zeitdruck bestimmen den Ablauf im Heim.

Schockierende Geschichten kann Brigitte viele erzählen. Stundenlang mussten Patienten in eigenem Urin und Kot liegen, weil die Pflegekräfte nicht genügend Zeit aufbringen konnten. Hygieneprotokolle gab es. Dock einhalten konnte sie keiner. Aus Zeitmangel.

Jeden Tag stand sie mit einem Bein im Gefängnis. Sie wurde gezwungen, diese menschenunwürdigen Umstände zu decken und Stillschweigen zu bewahren, sich sogar daran zu beteiligen. Diese außergewöhnliche Pflegeform nennt sich Funktionspflege. Wie am Fließband werden die Pflegeheimbewohner abgefertigt. Für persönliche Kontakte und Zuwendung bleibt keine Zeit. Doch die Pflegeleitung und der Aufsichtsrat bestätigen ihr: Es gibt keine Notstände. Brigitte erträgt es nicht mehr. Das schlimmste war der innere Konflikt. Sie wird zur Whistle Blowerin.

Hilfe: Whistle Blower

Körperlich und seelisch angeschlagen sucht Brigitte Hilfe bei Dritten. Eine der Anlaufstellen ist das Whistle Blower Netzwerk, eine Organisation, die Missstände in Deutschland aufdeckt. Andere Länder, wie Amerika, sind in diesem Gebiet schon viel weiter. Probleme sollen anerkannt und gelöst, die Engagierten gelobt werden. Die Realität in Deutschland ist anders. Menschen, die Probleme ansprechen, werden ausgegrenzt, gemobbt, in vielen Fällen gekündigt.

Auch Brigitte stellt Strafanzeige gegen ihren Arbeitgeber wegen Betrugs an den Heimbewohnern und Nötigung der Mitarbeiter. Doch der Staatsanwalt stellt die Ermittlungen ein. Brigitte zahlt teuer für ihren Mut. Sie wird fristlos gekündigt. Kündigungsgrund: Fehlende Loyalitätspflicht. Diese Treuepflichten haben ihre Grenzen. Doch nicht in Brigittes Fall. Der Richter entschied gegen sie.

Ihr Fall ist dennoch weit gekommen. Er liegt jetzt am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte vor.

Die Zukunft

Nach langer Suche hat Brigitte einen neuen Job gefunden. Hier kann sie ihren Beruf mit mehr Menschlichkeit ausüben. Sie hat viel geopfert, es aber nie bereut. Sie macht vielen Mut. Die Organisation ist wichtig. Im Einzelkampf kann keine Lösung gefunden und Änderungen nicht herbeigeführt werden. Gemeinsam für eine menschenwürdige Zukunft.

Altenpflege Blog

Hi an alle Pflegeinteressierte,
ich bin Stefan und arbeite seit 7 Jahren als Altenpfleger. Da meine Patienten jeden Tag für tollen Gesprächsstoff sorgen, möchte ich die oft amüsanten Anekdoten gerne mit euch teilen. Ab und an berichte ich außerdem von anderen Pflegern und Stories, die mich interessieren und euch hoffentlich auch.