Rubihorn Nordwand – Carpe Diem

 

Mit der Rubihorn Nordwand verbinden mich mittlerweile mehrer Trips ins Allgäu. Nachdem ich die klassiche Nordwand im Dezember 2009 nach mehrern erfolglosen Versuchen endlich durchsteigen konnte, reizte mich in diesem Jahr die Tour “Carpe Diem”. Diese Route ist im Vergleich zur klassischen Führe deutlich anspruchsvoller und weist einen deutlich größeren Felsanteil auf. Da ich Anfang des Jahres beruflich bedingt in die Bodenseeregion zog, lagen die Berge nun wesentlich greifbarer. Ende Februar hatte es dann auch noch sehr gute Verhältnisse für Mixed-Klettereien im Allgäu (wenig Schnee, recht kalt), so dass eigentlich nur noch ein Partner für einen Versuch in der Rubihorn Nordwand fehlte.

Mit Sven aus Köln hatte ich bereits vor einiger Zeit Kontakt, ursprünglich für eine Tour in den Dolomiten. Doch auch an kombinierten Klettereien hatte er Interesse. Da traf es sich perfekt, dass er ebenfalls zur Zeit im Rahmen eines sozialen Jahrs in Baad war. Nach einigen Mails stand es fest, er würde mein Partner für diese Tour sein. Spät am Freitag Abend trafen wir uns in Baad und nach einigen Bier und netten Gesprächen waren die Rucksäcke gepackt und Sympathie aufgebaut.  Der Tour konnte nichts mehr im Wege stehen.

Nach kurzer Nacht welche durch einen etwas “nervösen” Hund akkustisch schön untermalt wurde, ging es gegen 4 Uhr vom Parkplatz los Richtung Einstieg. Der Weg war mir duch die vorhergegangen Touren bestens vertraut und fest gefrorener Schnee machte das Gehen leicht. Gegen 6 Uhr waren wir dann am Einstieg und fertig angeseilt. Die erste, leichte Länge gingen wir seilfrei um uns dann vor der zweiten Seillänge anzuseilen. Diese ist noch Teil der klassichen Führe und mit M3+ gut machbar. Danach trennen sich die Routen und wir hielten uns links querend Richtung “Carpe Diem”. Die auf den Quergang folgenden Länge war dann auch schon eine der Schlüssellängen, mit M4+ sicher nicht unterbewertet. Auch wenn zu Beginn der Seillänge zwei Bohrhaken stecken, war die absicherung doch Rubihorn typisch, also mässig. Auch die anhaltenden Schwierigkeiten der Länge forderten zusammen mit der zweilfhaften Absicherung ein solides Nervenkostüm. Glücklicherweise war ich an diesem Tag ziemlich gut drauf und die Verhältnisse passten auch. So war auch diese Länge gut zu meistern und wir befanden uns mittlerweile mitten in der Nordwand. An zwei Schlaghaken machte ich stand und sicherte Sven nach.

Auch im Nachstieg hatte er viel Spaß an der Kletterein im vereisten Fels, mehrere “Fuck Yeah” rufe untermalten dies auch akkustisch ;-) (es war seine Mixed-Prämiere).

 

 

Nun ging es weiter durch eine fast Eisfreie Verschneidung. Diese war am Anfang leicht überhängend, lehnte sich danach aber zurück und wurde deutlich leichter.

 

 

 

 

 

 

 

Nun standen wir unterhalb der großen Verschneidung welche auch auf dem Wandfoto gut zu erkennen ist. Die Schwierigkeiten gingen deutlich zurück (ca. M2-M3) und nach zwei sehr schönen Längen die Verschneidung hinauf befanden wir uns schon auf dem Grat zum Gipfel des Rubihorns.

Hier liessen uns Latschen spüren, dass wir im Allgäu und nicht in den Westalpen unterwegs waren. Nach etwas nervigen Latschen-Gestrampel befanden wir uns kurze Zeit später aber doch auf dem Gipfel und eine über den Normalweg hinaufgelaufene DAV-Gruppe machte netterweise sogar noch ein schönes Gipfelfoto.

 

 

 

 

 

 

Auf dem Hosenboden rutschend ging es dann recht flott durch die Südflanke wieder hinab Richtung Gaißalpe wo wir bei einem Radler die tolle Tour und Svens Mixed-Prämiere gemütlich ausklingen ließen. Insgesamt ein toller Tag am Berg und ein super Seilpartner :-)

 

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Von West nach Ost… Teil 2

nachdem es also in den Westalpen nicht ganz so lief wie erhofft, ging die Reise weiter über den Furkapass nach Imst wo ich mich mit Martin treffen wollte um dann gemeinsam weiter in Richtung Dolomiten zu fahren.  Ziel sollte der Sellapass sein, da Martin dort im kommenden Jahr einen Lehrgang der Bergführerausbildung hat und so das Gebiet schon mal checken kann. Für mich sollte es der erste Trip in die sagenumwobenen Felstürme der Dolomiten werden. Die Fahrerei von Chamonix nach Österreich wollte kein Ende nehmen, gefühlte 10 Pässe mussten bewältigt werden und das alles mitten im schönsten Sonntags-Urlaubsverkehr.

So war es dann, nachdem ich 8 Tage im Zelt bzw. unter freiem Himmel dem Regen getrotzt hatte, schon das erste Highlight, als ich Martin in einem Wohnmobil anrücken sah. Sein Vater hatte es uns netterweise für den Trip “gesponsert” und so stand die Dolomitenkletterei direkt unter einem guten Stern. Also schnell am Bahnhof alles Zeug umgepackt (in Chamonix habe ich den Nachmittag genutzt, um mein ganzes Zeug mal zu waschen) und dann weiter Richtung Brenner. Irgendwo auf der nicht enden wollenden Brennerautobahn haben wir dann die Nachtruhe eingeläutet und ein bisschen geschlafen. Zumindest mir fielen auch trotz vorbeidonnernder 40 Tonner sofort die Augen zu, hatte mich der Alleingang am Vormittag doch ganz schön ausgelaugt.

Das rollende Basecamp

Am nächsten Morgen hieß es in aller Frühe aufstehen und weiter Richtung Sella-Pass. Nach dem obligatorischen Cappuccino in einer italienischen Bar und dem Einkauf diversen Führermaterials waren wir dann soweit, die Felsen zu stürmen.

Traumblick beim Frühstück

Unser Ziel für den ersten Tag war die “Glück” am vierten Sella-Turm. Laut Führer ein Klassiker im 5ten Grad und damit unserer Meinung gerade Richtig zum einklettern. Die Tour war dann auch sehr schön, wenn wir auch feststellen mussten, dass sich unser Gefühl eines 5ers und der gemeine Dolomiten 5er doch ganz schön unterschieden. Die berüchtigte Dolomiten-Skala lässt grüßen…

Auf gehts...

Seis drum, die Kletterei war super, der Fels meist fest und das Wetter perfekt. Was will man mehr. Alles lief wie am Schnürchen und so waren wir am frühen Mittag schon wieder zurück an unserer Basisstation, dem besagten Wohnmobil.

Auf dem 4ten Sellaturm

Den Nachmittag habe ich dann schön in der Sonner verschlafen und wir haben den Abend gemütlich bei einer DVD (Donny Darko!?) ausklingen lassen. Für den nächsten Tag hatten wir uns, nun ein wenig an die hiesigen Verhältnisse gewohnt, die Vinatzer am 2. Sellaturm ausgeguckt. Etwas schwerer als die Glück (VI) und eine Ecke länger.

Da der Zustieg am Sellapass angenehm kurz ist, konnten wir den Morgen in aller Ruher angehen lassen und waren dennoch die erste Seilschaft am Einstieg. Der Einstieg forderte dann direkt unseren Spürsinn und wir brauchten bestimmt 30 Minuten bis wir auf der richtigen Route waren.

Skepsis am Einstieg

Überhaupt war die Route deutlich anspruchsvoller als jene vom Vortag. Zwischensicherungen waren im Prinzip keine vorhanden und die Stände bestanden bestenfalls aus 2 zweifelhaften Normalhaken. Egal, wir konnten eigentlich immer was dazulegen. Ansonsten ließen sich die Seillängen auch recht ordentlich absichern, nur eine Plattenseillänge musste ich quasi ohne Zwischensicherung klettern. Dafür war sie auch nicht besonders schwer. In Wandmitte gibt es ein großes Band, wo wir kurz Pause machten und etwas trinken konnten. Das war auch nötig, denn vom Band aus beginnt die Schlüssellänge, ein feiner Riss der in einem ordentlichen Dach endet. Martin hat hier aber einen souveränen Vorstieg hingelegt und ich konnte im Nachstieg die Holzkeil (der Erstbegeher!?) bewundern.

Schlüsselstelle

Danach folgt die Tour einem schönen Risssystem bis auf die Ausstiegsplatte. Die Risse waren im Prinzip sehr schön zu klettern, leider ließ die Felsqualität mit zunehmender Höhe immer mehr zu wünschen übrig. Auf dem Gipfel empfing uns dann schon ein leichter Nieselregen, also haben wir geschaut, Land zu gewinnen und sind zügig wieder gen Pass abgestiegen.

Im Abstieg

Für den nächsten Tag war nur in der Früh gutes Wetter angekündigt, danach deutete sich ein Tief für die Dolomiten an. Also war unser Plan, am Vormittag noch schnell eine Sportklettertour am ersten Sellaturm zu absolvieren und dann weiter Richtung Arco.

Die Tour “Delenda Carthago” war dann ein wenig Kontrastprogramm zu den beiden Vorherigen. Statt rostiger Normalhaken gabs hier Bohrhaken und statt gemässigter Schwierigkeiten erwartete uns steile Kletterei im Grad VII+. Aber schön wars…

Am Nachmittag düsten wir dann nach Arco wo wir auf dem wohlbekannten Campingplatz Quartier bezogen. Und vom Regen empfangen wurden…Na toll!! Was mit dem Tag anfangen wenn man nun schon in Arco ist? Richtig, shoppen gehen:-) Leider blieb das auch unsre einzige Beschäftigung in Arco. Denn auch die nächsten beiden Tage wollte das Wetter einfach nicht besser werden und unsre Geldbeutel leider immer leerer. Also zogen wir nach 3 Tagen ohne jeglichen Felskontakt aber mit reichlich neuer Ausrüstung den Rückzug Richtung Heimat vor. Dort erwartete uns dann…Sonnenschein. Na super, aber andersrum wäre es uns lieber gewesen. Trotzdem, ein toller erster Ausflug in die Dolomiten, nächstes Jahr gehts defintiv wieder zurück. Die Große Zinne wartet…

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Von West nach Ost…Teil 1

Bereits im August 2009 als ich mit Martin in Chamonix war, hat das Topo des Cordier-Pfeilers an den Grand Charmoz unser Interesse geweckt. Aufgrund von dem in Cham nicht seltenen schlechten und vor allem nassen Wetter sind wir jedoch damals an den Grimselpass geflohen, wo wir den tollen Granit-Klassiker “Motörhead” klettern konnten.

Nichtsdestotrotz gingen mir die Grand Charmoz mit ihrem eindrucksvollen Pfeiler auch zuhause nicht aus dem Kopf und ich fragte Antje, ob sie Lust hätte, den Pfeiler im nächsten Jahr mit mir anzugehen. Sofort kam die Antwort: “Ja”. Ok, der passenden Partner war also gefunden, jetzt hieß es trainieren und auf bessere Verhältnisse hoffen.

Mein Umzug im März diesen Jahres nach Sinzig kam mir da gerade gelegen, hatte ich doch jetzt die Risse von Ettringen quasi vor der Haustür und konnte prima die Grundlagen für das in Chamonix so vielfältige Rissklettern legen.

Anfang August diesen Jahres war es dann soweit, einmal mehr ging es die 700km über Basel nach Chamonix. Schon die Anfahrt über den Col de Montes ist ein Erlebnis für sich, einmal über den Pass drüber hat man vor sich wie auf einer Panoramakarte aufgereiht all die großen, geschichtsträchtigen Gipfel des Mont-Blanc Gebiets. Der Blick schweift von der Aiguille de Chardonet über die Aiguille Verte und die Drus hin zur Aiguille du Midi und ganz hinten auf die Ausläufer des Mont-Blancs.

Gigantisch. Nach einer kurzen Fotopause ging es weiter auf den Campingplatz wo ich mich am nächsten Tag mit Antje treffen wollte. Sie war schon eine Woche vorher runter gefahren um mit einem Freund noch den Salbitgrat in der Schweiz zu klettern. Das Wetter war super, richtig heiß und ich voller Vorfreude.

Am nächsten Tag gingen wir dann noch ein wenig Sportklettern und ins OHM, die aktuellen Bedingungen checken. Für Montag war leichter Regen vorrausgesagt der aber im Verlaufe des Dienstags aufklaren sollte und Mittwoch sollte ein kleines Hoch über Chamonix ziehen bevor es danach wieder wechselhaft würde. Na toll, genau ein Tag für unser Projekt… Aber gut, immerhin einer. Also haben wir uns am Montag noch ein wenig in den nassen Platten von Vallorcine vergnügt und haben die zahlreichen Bergsportläden in und um Chamonix gestürmt.

Am Dienstagnachmittag, nachdem wir noch einmal die Vortags unterschlagenen Shops besucht haben, sind wir dann mit ungefähr 10 000 Anderen in die Midi-Bahn gestiegen. Da wir auf der Moröne unterhalb der Grand Charmoz zelten wollten, waren unsere Rucksäcke entsprechend voll und uns die Blicke des ein oder anderen Touristen sicher.

Der Zustieg gestaltete sich aufgrund der gefühlten 20 Kilo auf dem Rücken etwas beschwerlich, dafür wurden wir am Fuß der Charmoz angekommen mit absolut genialen Biwakplätzen belohnt. Nachdem das Zelt aufgebaut war, hatten wir noch genügend Zeit, die geniale Aussicht auf die Aiguilles Rouges und das Tal von Chamonix zu genießen bevor es recht zeitig in die Schlafsäcke ging. Etwas Kopfzerbrechen bereitete uns die Querung unterhalb eines Gletscherbruchs zum Einstieg des Pfeilers, da dort wohl noch vor kurzer Zeit Eislawinen runtergekommen waren. Das es dann des Nachts donnerte und ein weiteres Serac sich genau über unsere Aufstiegsroute verabschiedete, trug auch nicht grade zu unserer Beruhigung bei. Also hieß es, früh aufstehen und im dunklen möglichst schnell unter dem Eisbruch durchrennen. Rennen mit Steigeisen in über 3000m kann ganz schön anstrengend sein und so waren wir am Einstieg des Cordierpfeilers (der übrigens super zu finden ist), schon ordentlich aufgewärmt.

Gegenüber, an den Aiguilles Rouge ging die Sonne auf und tauchte alles in ein tolles, rotes Licht, aber wir, im Schatten unterhalb der Westwand froren ziemlich. Also nix wie rein in Kletterschuhe und Daunenjacke und die erste Länge klettern.

Entgegen der Beschreibung im Führer ging es in der ersten Länge direkt ziemlich zur Sache, was vor allem dem losen Fels zuschulden war. Danach wurde es aber von Länge zu Länge besser. Allerdings sollten die Schwierigkeiten nicht unterschätzt werden. Die zweite Länge war zwar nur mit 6- bewertet, aber angesichts fehlender Sicherungsmöglichkeiten und eisiger Finger fühlte sich die Länge deutlich härter an. Antje hat dennoch souverän geführt. Danach ging es über einige leichtere Längen durch eine Verschneidung und über gestuftes Gelände weiter zu ersten Schlüssellänge. Hier hatte ich das Vergnügen der Führung.

In Anbetracht der kalten Finger und der Tatsache, dass die Risse mit zunehmender Höhe immer mehr vereisten, gab ich den Gedanken an einen freie Begehung auf und wurschtelte mich irgendwie die Länge rauf. Alles in allem waren wir nun schon etwas hinter unserem Zeitplan zurück und die Verhältnisse wurden nicht besser. Da die nächsten Längen jedoch wieder leichter sein sollten, entschieden wir uns, noch ein Stück weiter zu klettern. In Wandmitte angekommen trafen wir dann aufgrund der fortgeschrittenen Zeit und der schlechter werdenden Verhältnisse aber schweren Herzens die Entscheidung, abzuseilen. Am Horizont zogen bereits Wolken auf und wir wollten nicht das Gewitter, welches für den Abend angekündigt war, auf dem Gipfel der Grand Charmoz genießen.

Also hieß es, Stände ausbessern, Haken nachschlagen und ab ins Tal. Der Abstieg klappte problemlos und nachdem wir die schweren Rucksäcke wieder zur Bahn zurückgeschleppt hatten, waren wir beide froh, wieder im Tal bei einem Bier dem Gewitter zuzusehn.

Die nächsten Tage waren dann wieder vom Chamonix typischen Wetter (Regen, Schnee, Wind) gekennzeichnet und es hieß warten. Unser Weinkonsum stieg rapide an und unsre Laune im gleichen Maß ab. Freitags besserte sich das Wetter dann noch einmal kurz und wir nutzten die Zeit für eine Tour nach Vallorcine wo wir eine ganz nette 12 SL Route klettern konnten.

Immerhin ein etwas versöhnlicher Abschluss einer ansonsten doch ziemlich frustigen Woche. Am nächsten Tag musste Antje leider schon wieder abreisen und ich bin weiter über den Furkapass nach Imst, wo ich mich mit Martin traf um gemeinsam weiter in die Dolomiten zu fahren.

Am Furkapass gelang mir dann noch im Alleingang eine Gratüberschreitung auf das Groß Furkahorn, schade nur, dass auf dem Gipfel Schneesturm war und ich nichts von dem ansonsten tollen Panorama hatte. Ziemlich platt machte ich mich daraufhin auf nach Österreich in der Hoffnung auf besseres Wetter in Italien…

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