Nachdem wir Berliner Fohlen (gemeinsam mit Block B und den Berliner Borussen und mit Unterstützung der Spreeborussen) unseren Unmut über das Plakat der Gruppe “Crimark” äußerten, bezogen dann auch das Fanprojekt und Blog1900 Stellung.
Das Fanprojekt entschuldigte sich und verweist zu Recht auf seine gute und jahrelange Arbeit gegen Rassismus und Rechtsradikalismus. Erinnert sei hier nur an die diesjährige Bildungsfahrt nach Auschwitz.
Bei den Freunden der Ultras hört sich die Stellungnahme aber alles andere als selbstkritisch an:
“Innerhalb der Nordkurve gibt es seit Jahren gute Kontakte zur Fanszene von Union Berlin. Dem auf dem Spruchband genannten Fanclub CRIMARK wurde vor kurzem ein Zaunfahnen-Verbot durch den eigenen Verein auferlegt. Als Begründung hierfür wird vom Verein eine rechte Tendenz innerhalb der Gruppe und (angeblich politisch-motivierte) Übergriffe einzelner Gruppen-Mitglieder auf Fans anderer Vereine genannt. Auch findet die Gruppe Erwähnung in einem Bericht des Verfassungsschutzes. Die Hintergrund-Recherche basiert hierbei allerdings größtenteils auf Informationen der linksorientierten, leider äußerst semi-seriösen Plattform INDYMEDIA.”
Okay, hierzu zunächst Folgendes: Die Gruppe “Crimark” leugnet in keinster Weise ihre rechte Gesinnung. Und bei aller Kritik, die auch ich am Verfassungsschutz übe, steht eine Gruppierung nicht im Bericht des Amtes, weil sie Äpfel geklaut hat. Zur Hintergrundrecherche bedurfte es hierbei auch nicht nur der genannten Plattform sondern vielleicht der Lektüre diverser Zeitungen (Märkische Allgemeine, Potsdamer Neueste Nachrichten). Zudem hätten Nachfragen bei Fans des SV Babelsberg 03 gereicht, um sich über die tatsächlich vorgekommenen Übergriffe zu informieren.
“Bei einem Generalverdacht gegen eine ganze Fangruppe läuten unsere Alarmglocken. Wir sind gegen die Vergabe von Stadionverboten nach dem Gießkannenprinzip, wir sind gegen die Belegung von ganzen Gruppen mit Stadtverboten und wir sind eben auch gegen Verbote ganzer Gruppen, nur weil einzelne Mitglieder über die Stränge schlagen.
Mit unserem Spruchband prangern wir genau DAS an. Wir wollen uns in keinster Weise mit Nazis solidarisieren. Die finden wir genauso Scheiße, wie jeder andere, klardenkende Mensch!”
Es geht hier nicht um einen Generalverdacht gegen irgendeine Gruppe, sondern um den begründeten und durch Fakten untermauerten Verdacht gegen eine Gruppe, die nicht nur mit dem Nazionalsozialismus kokettiert oder sympathisiert. Einer der führenden Köpfe dieser Aushilfsfaschos ist 2009 von einem Gericht verurteilt worden, weil er den Hitlergruß gezeigt hat. Und das, liebe Ultras, ist in meinen Augen kein “über die Stränge schlagen” mehr.
Seid Ihr in Eurer Selbstherrlichkeit und in Eurer Abneigung gegen jedwede Kritik, gerade von staatlicher Seite, so verblendet, dass bei Euch permanent irgendwelche “Alarmglocken läuten”? Auch ich bin gegen willkürliche Stadionverbote. Auch ich bin gegen Sanktionen gegen Unbeteiligte. Aber, ganz ehrlich: wenn in meinem Fanclub auch nur irgendein Arschloch ist, der rechtes Gedankengut pflegt und verbreitet, dann beschwere ich mich nicht über Sanktionen gegen meine ganze Gruppe. Sowas gehört nicht ins Stadion. Sowas gehört nicht zu Borussia – weder von Einzelnen, noch von Gruppierungen. Ihr HABT Euch mit Nazis solidarisiert und mit dem Plakat habt Ihr die ganze Kurve in eine Art Sippenhaft genommen, sich mit diesem Pack gut zu stellen!
Ich unterstelle Euch nicht, rechts zu sein. Eher werfe ich Euch Eure Verbissenheit vor, sich grundsätzlich gegen Maßnahmen und Kritik von Behörden und Verbänden zu stellen, nach dem Motto: “der Feind meines Feindes ist mein Freund!”
“Bei den uns bekannten Mitgliedern von CRIMARK konnten wir keine rechten Tendenzen feststellen. (Rechte) Politik hat in unseren Gesprächen und gemeinsamen Erlebnissen nie eine Rolle gespielt. Für uns hat sich vor allem eins gezeigt: UNION BERLIN steht für CRIMARK an erster und einziger Stelle.”
Mag ja sein, dass Ihr, bei Kaffee und Schwarzwälder-Kirsch-Torte zusammen gesessen habt und Euch über Fußball, Musik und Belletristik unterhalten habt. Aber immerhin konntet Ihr Euch ja über die zitierte “semi-seriöse Plattform” informieren. Leider haben Eure “Alarmglocken” da offensichtlich versagt.
Und nun, wo es ein wenig Kritik gibt, kommt das Totschlagargument:
“Die Ultrà-Szene Mönchengladbach ist und bleibt unpolitisch!”
Unpolitisch. Unpolitisch! UNPOLITISCH!!! Je öfter ich dieses Wort höre, desto schlechter wird mir.
Unpolitisch steht auf dem Besen mit dem Ihr Kritik unter den großen Teppich kehrt. Unpolitisch steht auf der großen Decke, die Ihr über Euch zieht, damit man ja nichts von draußen mitbekommt, denn dann müsste sich ja Kritik auch stellen. Man müsste sich mit “normalen” Fans auseinandersetzen, die diese Aktion genauso scheiße finden, wie z.B. Pyrospiele im vollbesetzten Block.
Statt blinde Solidarität mit ominösen Gruppierungen zu zelebrieren wären Aktionen gegen Fremdenhass und Rassismus, gegen Homophobie und Gewalt mal schön gewesen. Wäre auch keine politische Aktion gewesen, keine Angst. Solche Aktionen erachte ich in Zeiten des NSU-Prozesses, Diskussionen um die NPD und täglichen rechten Übergriffen auf Ausländer, Homosexuelle und Andersendenkende als Selbstverständlichkeit. Aber mit diesem Wunsch überfordere ich Euch vielleicht.
Die Aktion vom vergangenen Samstag war, ist und bleibt ganz großer Mist. Und Ihr habt damit Euch und uns einen Bärendienst erwiesen. Uns, die als Nicht-Ultras in Euren Augen vielleicht nicht zur Avantgarde der Fankultur zählen. Die keine “Allesfahrer” sind und von Euch belächelt werden. Aber wir sind mindestens genauso leidenschaftlich und fanatisch, mindestens ebenso Fans wir Ihr. Und nun müssen wir uns mit Fragen und Kritik herumschlagen, warum in unserer Kurve mit Nazis sympathisiert wird. Schönen Dank auch!
Wie oft habe ich Euch Ultras gelobt. Für Eure Kreativität und Euren Support. Für einfallsreiche, witzige und aussagekräftige Choreos. Für Euren Kampf gegen Eventuisierung und Kommerzialisierung. Für Euren Einsatz gegen willkürliche und rigide Sanktionen und Eingriffe der Polizei. Heute bin ich beschämt durch das Plakat und wütend über diese Art der “Stellungnahme”.
In diesem Sinne,
Patte