Verbraucherschützer kritisieren Werbung für “faire Milch”
Mai 14, 2010 in Verbrauchertipps von Mr. Yesbo
Die Verbraucherzentrale (VZ) Baden-Württemberg hat die Werbung für die “faire Milch” der süddeutschen Milchvermarktungsgesellschaft MVS kritisiert. Die Angaben auf der Verpackung, die Milch stamme “aus Ihrer Region” und “die heimische Produktion spart unnötige Transportwege”, träfen nicht zu, teilte die VZ am Mittwoch mit. Sie mahnte diese Werbung daher ab und die MVS sagte die Unterlassung zu.
Die Milch der MVS, die in Stuttgart verkauft wird, stamme von Bauernhöfen aus dem Allgäu, berichtete die Verbraucherzentrale. Zur Abfüllung werde sie ins hessische Schlüchtern transportiert und habe so allein 386 Kilometer hinter sich. Auf dem Weg zum Supermarkt könne daraus leicht das Doppelte an Transportkilometern werden.
Zu den Lieferanten der MVS zählen nach eigenen Angaben knapp 160 Milchbauern in Oberbayern, im Allgäu, in Tirol, Baden-Württemberg, Kelheim an der Donau, Roth bei Nürnberg, Neumarkt bei Nürnberg, Bayreuth und Nordrhein-Westfalen. Die “faire Milch” war im Januar an den Start gegangen. Sie wird laut MVS in 1200 Rewe- und 300 Tegut-Filialen in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen verkauft.
Die Milch, die in Baden-Württemberg verkauft werde, werde zu 100 Prozent auch in dem Bundesland ermolken, sagte ein Sprecher der MVS der Nachrichtenagentur AFP. Einen Abfüller in der Region habe die MVS nie versprochen – sie versuche aber “mit Hochdruck”, dies zu ändern. Bislang aber habe die Gesellschaft keine andere Abfüll-Molkerei gefunden als die in Hessen.
“Fair” ist die Milch laut MVS nicht wegen ihrer Regionalität, sondern weil 40 Cent des Verkaufspreises von 89 bis 99 Cent pro Liter direkt an die Milchbauern gehen und damit deutlich mehr als bei herkömmlicher Milch. Zudem sei sie umweltfreundlich und durch artgerechte Tierhaltung produziert sowie gentechnikfrei. Deshalb sei das Produkt auch “fair zum Verbraucher”.

