07:30 Uhr Metrostation Tomberg. Alles begann wie es typisch für mich ist: Kein Kleingeld für die Metro =) Also hieß es wieder zrücklaufen und meinen Mitbewohner Sebsatian, ein deutscher Praktikant im Europaparlament, um Kleingeld anhauen. Dann konnte es endlich losgehen. Zunächst wollte ich mir eine Monatskarte kaufen, da 2€ pro Fahrt einfach viel zu teuer sind. Öffnungszeiten des Verkaufsstandes 06:30 Uhr bis 21:00 Uhr. Aber das wird hier anscheindend nicht so ernst genommen und ich wartete eine halbe Stunde und es tat sich einfach gar nichts. Da ich mich nun aber auf den Weg zur Arbeit machen musste, hatte ich dasselbe Problem wie vorher: Kein Kleingeld für die Metro
Also schnell zwei Croissants am Kisok gekauft und dann ging es drei Stationen in Richtung Montgomery, wo sich das Informationsbüro befindet.
Mit deutscher Überpünktlichkeit stand ich eine Viertelstunde vor Arbeitsbeginn – 9:00 Uhr – vor dem Gebäude. Die erste Tür stellte sich mir hier in den Weg. Drücken, ziehen, drücken bis ich bemerkte es gibt auch eine Klingel. Aber auch hier meldete sich niemand. Nervös wartete ich und dann kam auch schon jemand, der in das Gebäude wollte. Bonjour, morgen, ja was sagt man nun, dachte ich. Es war eine deutsche Dame, die mich freundlich mit Bonjour, zu wem möchten Sie begrüßte. Schmunzelnd über ihren Dialekt (sie war eine Mitarbeiterin der Sächsichen Ländervertretung, die sich im selben Gebäude befindet) antwortete ich. Sie bat mich zu warten, da die Mitarbeiter des Informationsbüros meist erst kurz nach 9 eintreffen. Als sie weg war klingelte ich einfach noch einmal und wurde dann auch sehr schnell hereingebeten. Mit einem hochmodernen Fahrstuhl ging es dann in den 6. Stock. Die nächste Tür wartete. Wohlbemerkt eine Glastür, d.h. ich konnte die Mitarbeiter bereits sehen. Drücken, ziehen, drücken und nichts tat sich. Frau Götz, die ich bereits von Telefonaten kannte, rief: “Sie müssen schon richtig drücken”. Natürlich tat ich dies, doch die Tür ließ sich einfach nicht öffnen. Einer, der zwei Wachmänner, ging in sein Büro und drückte den Türöffner. Nach ca. 5 Minuten stand ich dann nun auch endlich auf der anderen Seite der Glastür.
Zielstrebig ging ich an den zwei Wachmännern vorbei und begrüßte Frau Götz. Freundlich stellte sie mich dann den Wachleuten vor: BÜROLEITER Dr. Boest und sein Referent. Selbstverständlich musste ich ja auch dieses Fettnäpfchen wieder mitnehmen
Nach einer peinlichen Schweigeminute löste sich die Stimmung und ich wurde sehr herzlich auch von den anderen Mitarbeitern empfangen und an meinen Platz gebracht. Eine Bürobesprechung stand um 9:15 Uhr an. Diesmal waren alle Türen offen, nur ich wusste nicht wohin. Niemand war mehr zu sehen. Bis Franziska, eine weitere Praktikantin, mich dann 5 min später abholte und wir dann mitten in die Besprechung platzten. Aber auch dieser Anfängerfehler wurde mir von der lockeren Arbeitseinheit schnell verziehen.
Nach der Besprechung wurde ich dann in die üblichen Tücken eines Büros eingewiesen: Kaffeeautomat, Kopierer, Drucker, Computer, Outlook, Zeiterfassung, Dienstreisen, Krankheit etc. Kernzeit ist hier von 9-17 Uhr und freitags bis 15 Uhr. Da bin ich mit 14:30 Uhr wohl etwas FLI-verwöhnt
Die für mich zuständige Referentin Frau Susanne Wolf wird die ersten zwei Wochen nicht da sein. Sie hat mir aber allerhand Aufgaben dagelassen, die zu bewältigen sind. So begann meine Arbeit damit, mich mit den Institutionen, ihren Webseiten und aktuellen Ereignissen der EU vertraut zu machen. Auch das Gesetzgebungsverfahren, Wahlen und Pressemeldungen gehörten dazu. Um zu kontrollieren, ob ich auch wirklich alles verstanden und behalten habe, hat mir Frau Wolf eine riesige Liste mit Fragen hinterlassen, die zu beantworten sind. Manchmal ziemlich knifflig, da einiges auf französisch herauszufinden und zu beantworten ist. Es wird sicher noch ein paar Tage dauern bis ich diese Liste abhaken kann =)
Um 11 Uhr bat mich dann die stellvertretende Büroleiterin Frau Bönisch zu sich. Sich mütterlich sorgend fragte sie mich, ob ich nett untergebracht sei, gut zurechtkomme und bereits eine Monatskarte habe. Ja, die Monatskarte. Als ich ihr von den Geschehnissen des Morgens berichtete, war ihr das Problem bereits bekannt und sie schickte mich sofort nochmal los mir eine Monatskarte zu kaufen. Da wusste ich noch nicht warum sie sagte: “Den ersten Tag verbingen die meisten Praktikanten damit, sich eine Monatskarte zu kaufen.” Wieder angekommen am Verkaufsstand sah ich dann das Unglück. Eine riesige Menschentraube hatte sich gebildet und es ging zu wie in der Bundesagentur für Arbeit. Man zog eine Nummer und wartete und wartete und wartete. “Nur” 25 Leute waren vor mir, aber es gab nur einen Schalter. Bis zum Nachmittag verweilte ich dann dort und hielt dann irgendwann glücklich diese Karte in den Händen. Gleich schoss mir in den Kopf, dass ich ja zwei Monate hier bin und das ganze noch einmal mitmachen muss
Zurück im Büro arbeitete ich dann weiter und beendete den ersten Dienst um 17:00 Uhr. Ziemlich erschöpft von den Ereignissen des Tages kam ich in der Wohnung an. Die Putzfrau, Bernard und Marianne begrüßten mich gleich in drei Sprachen, aber ich brachte nur ein müdes “Allo” heraus. Marianne grinste darauf hin und sagte, dass alle am ersten Tag so aussehen. Nach 10 Minuten Augenentspannung ging es dann in bequemeren Schuhen auf zum Carrefour, dem nahegelegenen Supermarkt. Hier kam ich gut rein, konnte dann aber den Ausgang nicht mehr finden und die Kassiererin erklärte es mir auf französisch. Ich wusste also genauso viel wie vorher
Türen werden ja auch total überbewertet.
Wieder zurück in der Wohnung ließ ich die Ereignisse des Tages bei meinem “leckeren” Fertigessen revue passieren.
Ein guter Start mit freundlichen Kollegen, einigen überwindbaren Hindernissen und geschwollenen Füßen ;-D