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Ein Weihnachtsfest für die SAN…

23042016 by Clara Müller

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Wie ein Weihnachtsbaum, Geschenke und genügend Essen hundert Kindern ein Lächeln ins Gesicht  zaubern kann…
Wir verließen Rehoboth für ein Erlebnis, welches wir so schnell nicht mehr vergessen sollten. Unser Kleinbus, vollgeladen mit neun Freiwilligen, etlichen Rucksäcken und einer riesigen Menge Tüten voller Essen, Süßigkeiten, Spielzeugen und Haushaltsmitteln, kam nach acht Stunden Fahrt und voller Vorfreude endlich in Otjituuo an.
Empfangen wurde wir etwa hundert Erwachsenen San-People, die auf dem Dorfplatz tanzten und uns allen einzeln die Hand schütteln wollten. Sie waren mindestens genauso aufgeregt wie wir alle. Einige von ihnen haben vorher noch nie Weiße gesehen, da sie selten raus kommen aus ihrem Dorf. Da waren wir dann doch eine ziemliche Attraktion. 
Das Dorf – Otjituuo – liegt im Norden Namibias, etwa 60km von der nächsten Stadt entfernt und somit richtig im Nirgendwo. Die Verbindungsstraße ist eine Gravel Road und somit nicht wirklich ngeneh, zu fahren.
Eigentlich besteht der Ort nur aus einem riesigen Gutshof, wo allerdings bloß die Besitzer (die Herero, eine Volksgruppe in Namibia) wohnen. Weiterhin gibt es noch einen kleinen, wirklich sehr kleinen Laden (das Paradoxe an dem Landen ist, dass alle Güter viel teurer sind als in der Stadt und das obwohl es an die Armen der Armen verkauft wird…), ein Klohäuschen (einen fünf-Minuten-Marsch in der prallen Sonne vom Dorfplatz und unserer Unterkunft entfernt), einer Tankstelle, Polizeigebäude und Krankenstation und einem Kirchengebäude, welches in Deutschland eher als Stall bezeichnet werden würde. Die Arbeiter der Farm, die San-People oder auch Buschmänner (eine weitere Volksgruppe in Namibia), leben in kleinen Häusern, aus Lehm und einzelnen Steinen gebaut, bestehend aus einem Raum, der etwa 2×2 bis 4×4 Meter misst – nicht wirklich viel für zwei Erwachsene mit ihren Kindern…  
Am Wochenende wurde nicht gearbeitet. Die meiste Zeit verbrachten die Erwachsenen damit am „Dorfplatz“ zu tanzen und zu tanzen, egal wie heiß es ist. Sogar in der Mittagshitze, in der für uns schon der Gang zum Klohäuschen eine Qual war.  Oder sie beten, die San in Otjituuo sind wirklich sehr religiös. Aber vermutlich ist das auch einfach etwas, an dem sie sich festhalten können. Denn gut geht es ihnen dort wirklich nicht!
Ihr Essen besteht tagein und tagaus nur aus einem Maisbrei (so wie Porridge mit Maismehl) und ab und zu wird auch eine Ziege dazu geschlachtet, die rennen in Otjituuo bei den Ziegenfarmern genug herum.
So wurde auch als wir dort waren eine Ziege geschlachtet. Für uns ein besonderes Erlebnis, für die San eine Alltäglichkeit. Anders aber war es mit dem Essen. Für uns sind Nudeln, Kürbisbrei, Möhren-und Rotebeetesalat oder auch Wassermelonen, Orangen und geschmierte Brote etwas total Normales. Im Gegensatz zu den San, die so etwas selten bekommen, ihre Freude darüber war dementsprechend wirklich groß!
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                            die Kinder warten auf das Mittagessen


So strahlten auch die Gesichter der Kinder, als wir den Weihnachtsbaum auspackten und begannen ihn zu schmücken. Schnell waren wir von Kindern umringt, die uns unbedingt helfen wollten Weihnachtskugeln und Lametta am Plastik-Tannenbaum zu befestigen. An diesem Abend wurde um den Weihnachtsbaum getanzt. Und wenn diese Leute eins können, dann tanzen!
Am kommenden Morgen, nach der Erzählung der Weihnachtsgeschichte (auf Englisch, Afrikaans, Xkiung und einer weiteren Klicklautsprache) haben wir den Kindern ihre Geschenke gegeben. Darin waren verschiedene Süßigkeiten, Kekse, Spielzeug-Dinosaurier, Buntstifte und Bleistifte, so wie für die Jungen Autos und für die Mädchen Haargummis, -bänder und Spangen.  Die Kinder waren wirklich sehr glücklich darüber und mussten auch alle gleich den Haarschmuck oder die Dinos und Autos ausprobieren.
Ebenso schön anzusehen war es, als den Kindern Orangen ausgeteilt wurden. Bevor sie gegessen wurden, spielten alle Kinder damit, sie jonglierten, warfen sich die Orangen wie Bälle zu oder einfach in die Luft und fingen sie wieder auf. Doch danach wurden die Orangen mit Freude gegessen und ausgesaugt bis zum letzten Rest.
Für alle hatten wir zudem noch kleine „Hygiene-Pakete“ zusammen gepackt mit Zahnbürste und -pasta,
Seife, Handtuch, Vaseline und für die Frauen Binden, denn so etwas benutzen sie ansonsten nicht…
Jeder Haushalt bekam zusätzlich noch Maisbrei, Zucker, Mehl und verschiedene Samen um einen eigenen Garten anzupflanzen und längerfristig von mehr als den Spenden zu leben. 
So können die San zum Beispiel in den kommenden Jahren Kartoffeln, Möhren und Zwiebeln anbauen und damit ihre bisher recht einseitige Ernährung ergänzen

So glücklich und zufrieden die Menschen dort auch wirkend, hat man ihnen doch angemerkt, dass sie zu kämpfen haben mit ihrem Leben. Neben Kindern, die in festlichen Kleidern im Dreck spielten (der Besuch von uns war für viele etwas wirklich sehr besonderes!), gab es einige, die nur eine Unterhose trugen oder an allen drei Tagen die gleichen komplett zerrissenen Klamotten an hatten. Und  Schuhe trugen die wenigsten Kinder von ihnen, trotzdem saßen wieder einige daneben, die feine Schuhe oder sogar Schmuck besaßen. Das ist dann schon ein seltsamer Anblick.
Ebenso gewöhnungsbedürftig ist es, dass sehr viele Mädchen in unserem Alter und sogar noch jünger mit ihren Kindern im Arm durch das Dorf laufen. Denn – auch wenn wir davon nichts mitbekamen – viele der Mädchen prostituieren sich dort. Sie bekommen nicht viel dafür, was aber für ein Leben bleibt, ist das Kind.
 
gemütlich beim Teetrinken

                                     gemütlich beim Teetrinken

Ich kann behaupten, dass wir den San-People ein schönes Wochenende mit genügend Essen, kleineren Geschenken und Freuden, so wie alles in allem ein wundertolles Weihnachtsfest beschert haben. Und aus diesem Grund möchte ich mich noch einmal ausführlich bei denen bedanken, die gespendet haben. “Baie Dankie!”

Falls jemand erst jetzt diesen Beitrag liest und etwas Spenden möchte, dann könnt ihr das gerne machen!
Im Mai möchten wir noch einmam für eine längere Zeit zu den San-People fahren.
Wenn du dich dafür interessierst, dann schreib mir doch kurz eine E-Mail an claramueller97@yahoo.de
Ansonsten wünsche ich allen ein Frohes Fest und gemütliche Feiertage!
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