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Meine erste Schulwoche…

23042016 by Clara Müller

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Jetzt liegt die erste Schulwoche hinter mir.
Auch wenn diese eigentlich nur aus drei richtigen Schultagen bestand,
habe ich das Gefühl schon viel länger dort gewesen zu sein.

Am Montag besuchten zuerst nur die Lehrer (und wir) die Schule.
Wir Freiwilligen durften uns in die Programme der Laptops einarbeiten, da wir
immer zu zweit die Computer class der “lower Primary” (Pre – 4. Klasse) übernehmen werden.
Darauf folgte ein Meeting der Lehrer bei dem alle wichtigen Themen des dritten Trimesters
besprochen wurden, allerdings auf Afrikaans. So haben wir nicht all zu viel verstanden, da unser
Sprachkurs leider noch nicht begonnen hat.
Im Anschluss fand noch eine Art Junggesellinnenabschied nach Bastard-Art statt.
(Die Bastards/Baster sind Nachkommen derer, die aus Beziehungen zwischen Nama-Frauen
und Buren (meist von den niederländischen Siedlern abstammend) entstanden sind.
Die Hauptstadt der Bastard ist Rehoboth, die Stadt in der wir leben.)
Im Klassenraum wartete der weibliche Teil der Lehrerschaft bei
Gebäck, Knabbereien und Getränken auf die Braut-in-Spe.
Diese wurde letztendlich in einer engen, knappen, zerrissenen Schuluniform
hereingeführt. Ihre Haare standen zu Berge und überall wurden Wäscheklammern befestigt.
Um die Hüfte trug sie einen Penis aus einer Karotte und zwei Kartoffeln,
welches ihr männliche Seite betonen sollte. Zudem waren ihre Arme und das Gesicht
mit Lippenstift vollgemalt  und ihre Augen wurden verbunden.
Dann musste sie verschiedenste Geschenke (alles Haushaltsmittel) auspacken
und erraten, was es sei. Lag sie falsch, wurde Mehl über ihr verteilt, sie bekam Spülmittel oder
Handcreme in die Haare oder Geschirrtücher überall angeknotet.
Später musste sie tanzen und posieren für die vielen Fotos, die natürlich alle geschossen wurden.
Nachdem ich das gesehen habe, bin ich mir eigentlich ziemlich sicher,
nicht in Namibia zu heiraten, obwohl wir die Haushaltsmittel natürlich alle gut gebraucht hätten 😉

Doch genug mit dem Spaß, am Dienstag begann die Schule auch für die Schüler, und somit der Ernst für uns.
Der Tag begann mit einer Vollversammlung in der Turnhalle mit allen 800 Schülern.
Es wurde gesungen, gebetet und wir vier Freiwilligen durften uns vor allen vorstellen.
Obwohl uns gesagt wurde, die siebte sei zu schwierig für uns und
alleine unterrichten müssen wir auch nicht, stand ich die ersten beiden Stunden alleine
in der siebten Klasse und musste diese beschäftigen,
da ihre Lehrerin an dem Tag nicht in die Schule kam.
Also wurde von Deutschland erzählt, nach der Ferien gefragt
(die siebte Klasse war in Johannisburg) und ein paar Aufgaben im Textbook bearbeitet.
Den Rest des Tages folgten dann noch die fünften Klassen. Und am Ende des Tages merkte man
an meiner Stimme, dass diese Klassen viel zu laut sind und man häufig schreien muss, um sie zur
Ruhe zu ermahnen (was leider auch nicht immer klappt…)
Am Abend fielen wir alle total erledigt ins Bett.

Am Mittwoch und am Donnerstag assistierten wir einigen Lehrern in ihrem Unterricht,
so wie wir es dann den Rest des Jahres machen werden.
So bin ich beispielsweise mit jeweils einem Lehrer zusammen in…
– Englisch in der 5. und 6. Klasse
– Hauswirtschaft (nur mit den Mädchen) in der 6. und 7. Klasse
– BIS (grundlegende Information, z.B. wie man ein Buch in der Bibliothek ausleiht) in der 7. Klasse
und zusammen mit jeweils einem anderen Freiwilligen in…
– Computerclass in der pre, special, 2. und 4. Klasse
– Kunst in der pre, special und 5. Klasse.
Jede erste Pause teilen wir den Kinder Porridge aus, welcher von UNICEF gespendet wird.
Teilweise ist dies die einzige Mahlzeit, die die Kinder am Tag bekommen.

Am Freitag begann dann der lang ersehnte Big Walk. Wie liefen mit der lower primary
eine Runde um den Block (mit jeweils zwei bis drei Kindern an der Hand) und machten eine
Pause auf dem nahe gelegenen Fußballfeld mit Gebäck und Getränken. Die Kinder schienen
große Freude an diesem Wandertag zu haben. Im Anschluss wurden auf dem Schulgelände
Boxen aufgebaut und alle Kinder tanzten zu den hiesigen Charts. Anders als dies in Deutschland
der Fall wäre, haben die meisten Kinder hier keine Scheu zu tanzen und können sich gut bewegen.
So wurden wir Freiwilligen immer wieder von den Kindern auf die Tanzfläche gezerrt, um mit
ihnen zu tanzen.

Dies war ein schöner Abschluss für unsere erste,
wenn auch sehr anstrengende, Schulwoche,
auf die noch viele weitere folgen werden!

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2 Comments »

  1. Astrid sagt:

    Vielen Dank, dass ich an Deiner Afrika-Zeit teilhaben kann. Deine Berichte klingen sehr abwechslungsreich. Schön, dass Ihr Freiwilligen nicht nur die Lektionen assistieren müsst, sondern auch an den Bräuchen & Sitten teilhaben könnt. Das wird sicherlich eine spannenden Zeit! Ich wünsche Dir jede Menge tolle Erlebnisse & genügend Durchsetzungskraft in den turbulenten Lektionen! 🙂 Alles Liebe & Gute. Astrid

    • Clara Müller sagt:

      Danke Astrid für deine lieben Worte!
      Ich werde auch weiterhin versuchen, immer wieder über unsere Begegnungen mit dem hiesigen Leben zu berichten!
      Grüße aus Namibia an euch vier! 🙂

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