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Nichts als Träume…

23042016 by Clara Müller

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Jeder von uns hat Träume, Wünsche und Vorstellungen vom Leben.
Dies alles ist geprägt von unseren bisherigen Erlebnissen und Erfahrungen.

In der fünften Klasse gab ich die Aufgabe, ein paar Sätze über den Berufswunsch zu schreiben.
Was sie werden möchten, und vor allem auch warum überhaupt.
Als ich den Auftrag an die Schüler weitergab, habe ich nicht mit diesen Antworten gerechnet.
Eigentlich diente dies mehr dazu, das Schreiben, besonders in Englisch, zu üben.

Die Antworten lassen sich in drei große Kategorien einteilen:
– Lehrer (5)
– Doktor (7)
– Mädchen: Tänzer, Sänger oder Model (9)
Jungs: Rugby oder Soccer Spieler (4)
Alle anderen sind entweder nur einmal vorhanden
(Richter, Reparierer, Zahnarzt, Rennfahrer)
oder unleserlich, denn auch in der fünften Klasse gibt es noch welche,
die sehr schlecht lesen und schreiben können.

Aber warum möchten so viele der Kinder Lehrer werden?
Denn seien wir mal ehrlich, eigentlich wollen wir doch alle
so schnell wie möglich die Schule hinter uns lassen und andere Bereiche erobern.
Nun, vermutlich ist Lehrer einfach ein sehr verbreiteter Beruf.
In unserem Umfeld, also natürlich nicht nur in der Schule,
sondern auch bei unseren Mentoren und deren Freunde und Verwandte,
ist Lehrer der vorherrschende Beruf. Aber der Bedarf ist auch wirklich hier vorhanden.
Allein in Rehoboth gibt es sieben Grundschulen (unsere hat 930 Schüler, bei den anderen
wird es ähnlich sein). Auch im Umkreis stehen etliche Farmschulen,
die selbstverständlich auch Lehrer benötigen.
Und dann gibt es natürlich noch die weiterführenden Schulen (Highschool).
Die Begründungen der Schüler waren:
– sie lieben Kinder
– sie mögen Bildung
– sie wollen den Schülern Disziplin, Ordnung  und Respekt lehren
– sie wollen ihnen beibringen, wie man liest und schreibt
– “Ich möchte ein Lehrer werden, weil ein Lehrer Kinder unterrichtet”

Und warum ausgerechnet Doktor?
Gut, Medizin ist auch in Deutschland ein sehr verbreiteter Berufswunsch.
Aber viele der Kinder leben in ärmeren Verhältnissen. Besonders an unserer Schule,
da diese direkt bei Block E liegt, eines der drei Viertel hier in Rehoboth, wo nur Wellblechhütten stehen und die Kinder zusammengepfercht mit ihrer gesamten Familie wohnen. Da herrschen mehr Krankheiten vor, da vor allem die Hygiene-Maßnahmen darunter leiden. So kommen viele schon in jungen Jahren mit Krankheit und Tod in Kontakt.
(Einige besitzen noch nicht einmal das nötige Geld für die Beerdigung. So haben wir Freiwilligen schon gesammelt, um einem Kind aus unserer Klasse, die Beerdigung der Mutter zu finanzieren.)
So möchten die Kinder unbedingt:
– die Menschen gesund machen (vor allem HIV / AIDS und Ebola)
– kranken und gesunden Menschen helfen
– der eigenen Familie helfen
– “es fühlt sich cool an zu helfen”

Das war einmal der Traum eines jeden Mädchens:
Model, Fashion-Designer, Sänger, Tänzer, Popstar, Filmstar und wie sie nicht alle heißen…
Der Weg raus aus dem öden, alltäglichen Leben rein in das Rampenlicht, beachtet von allen.
– “Wenn ich groß bin möchte ich ein Filmstar sein,
weil ich so viel Action und Schönheit habe.”
– “Ich möchte wie Lil Wayne sein. Er singt toll. Ich möchte wie er sein. ”
– “Ich möchte ein Model werden, weil das mein Traum ist und ich es sehr mag.
Ich bin auch immer ein Model zu Hause und ich bin sexy und ich bin schön
und ich bin immer ein Model, das ist mein Traum.”
-“… weil es meine Zeit ist zu scheinen.”

Genau so sieht es auch mit den Jungs und weltbekannten (Rugby/Soccer) Spielern aus.
– “Ich möchte ein bekannter Rugbyspieler für Namibia werden, weil wir Leute umschlagen.”

Besonders schön ist auch die Begründung:
-” Ich möchte ein Richter werden, weil mein Bruder ein Richter werden möchte. Es ist mein Traum.”

Doch egal woher und auf welcher Grundlage dieser Wunsch aufgebaut ist,
so werden die meisten Kinder keine Chance dazu haben,
auch nur in die Nähe dieser Berufe zu kommen.
Nach der siebten Klasse, wechseln sie auf die Highschool
(bis zur zehnten Klasse besteht die Schulpflicht, wie auch in Deutschland),
doch für die meisten (ärmeren) Kinder war es das dann einfach.
Denn es ist natürlich auch eine Frage des Geldes (Schuluniform, Schreibutensilien, Ausflüge und und und… Mit Arbeiten kann man dann natürlich mehr Geld verdienen…)
Ohne Schulabschluss ist es recht schwierig ein Richter oder Doktor zu werden.
Es ist einfach immer noch so, dass es viel zu viel ausmacht, ob du Geld hast oder nicht.
Ohne diese Grundlage fehlen dir einfach die Möglichkeiten dich weiter zu entwickeln
und auch nur annähernd die gleichen Chancen, wie deine reicheren Mitschüler zu bekommen.

Ich hoffe dennoch, dass die Kinder einen Beruf finden, mit dem sie zufrieden sind
und einzelne vielleicht auch ihr Ziel erreichen…

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