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5 Spiele für Regelmuffel (Kurze Regeln)

26. November 2011 // Posted in Theorien und Gedanken (Tags: , , , ) |  1 Comment

Heute beginnt meine neue Reihe 5 Spiele für:      .

Den Ablauf dieser Serie stelle ich mir so vor: Zuerst beschreibe ich immer nach welchen Kriterien ich die aktuelle Liste aufgestellt habe. Danach folgen 5 Spiele, die meiner Meinung nach den Kriterien entsprechen, wobei die Reihenfolge zeigen soll wie gut die Titel zu den Vorgaben passen (das letzte Spiel ist dementsprechend das “Beste”  in dem Zusammenhang).

Damit der Einstieg leichter fällt, geht es heute erstmal darum 5 Spiele vorzustellen, die einfach und schnell zu lernen sind. Kurze Regeln stehen also im Mittelpunkt.

Kriterien für die heutige Liste

  • Kurze Regeln: Regelnerklärung darf maximal 2 Minuten dauern
  • Keine typischen Kinderspiele, da all diese schon per Definition einfache Regeln aufweisen
  • Es muss im Handel oder online erhältlich sein
  • Natürlich muss es Spaß machen
  • Ich muss es gespielt haben, denn ich empfehle nur Titel, die ich selbst ausprobiert habe (aber keine Sorge, das sind schon ein paar hundert verschiedene Spiele, Tendenz steigend).

5 Spiele für Regelmuffel

5. Bezzerwizzer

Hierbei handelt es sich um ein Wissensspiel der neuen Generation, wo es nicht nur um Wissen, sondern auch um Taktik und Kenntnis der eigenen Stärken geht: Man zieht jede Runde 4 von 20 Kategorien, ordnet ihre Wertigkeit nach eigenem Geschmack und versucht dann eine Frage zu jeder dieser 4 Kategorien zu beantworten. Zusätzlich kann man die anderen Spieler ein bisschen ärgern und versuchen deren Fragen zu beantworten.

  • Spieleranzahl: 2-4 (bzw. mehr Spieler wenn in Teams gespielt wird)
  • Alter: Bei der Basisversion sind Kinder unter 14 klar im Nachteil, aber die Familienedition kann durchaus ab 8 gespielt werden
  • Dauer: 25-45 Minuten
  • (Online-)Preis: 30-38€

4. Qwirkle

Manche nennen es “Scrabble mit Formen und Farben statt Buchstaben”. Man zieht sechs schön bemalte Holzquadrate auf denen eine von sechs Formen in einer von sechs verschiedenen Farben zu sehen ist. Dann ist jeder abwechselnd an der Reihe diese Quadrate an die bereits ausliegenden anzulegen, wobei immer entweder Farbe oder Form der aneinandergelegten Teile übereinstimmen muss, nicht aber beides auf einmal. Ansonsten gilt, je länger die gelegte Verbindung, desto mehr Punkte.

  • Spieleranzahl: 2-4
  • Alter: 6+
  • Dauer: 30-45 Minuten
  • (Online-)Preis: 15-25€

3. Cartagena (Link)

Ein Piratenrennspiel, in dem man seine Piraten durch Ablegen von Handkarten vorbewegt und man durch Zurückbewegen neue Karten erhält. Eine ausführliche Rezension findest du in meiner Spielebeschreibung Nr. 16.

  • Spieleranzahl: 2-5
  • Alter: 8+
  • Dauer: 15-45 Minuten (je mehr Spieler desto länger)
  • (Online-)Preis: 12-16€

2. Heckmeck am Bratwurmeck

Dies ist ein Würfelspiel mit taktischen Elementen und ein wenig Interaktion zwischen den Spielern. Man versucht mit 8 Würfeln bestimmte Summen zu erwürfeln, wobei man nach jedem Wurf alle Würfel einer bestimmten Augenzahl zur Seite legen muss. Die namensgebenden Bratwürmer spielen dabei eine besondere Rolle. Trotz der schönen Gestaltung und einfallsreichen Namensgebung ist das Spiel im Grunde ziemlich abstrakt.

  • Spieleranzahl: 2-7
  • Alter: 8+
  • Dauer: 15-25 Minuten
  • (Online-)Preis: 10€

1. Bluff

Ein wahrer Klassiker, in dem der Name Programm ist. Alle Spieler würfeln gleichzeitig 5 Würfel in einem Würfelbecher, schauen dann nach, was sie haben, aber zeigen es keinem. Dann muss jeder Spieler reihum eine Behauptung über die Anzahl einer Augenzahl aufstellen (z.B. “Wir haben zusammen mindestens 7 Dreien”). Der nächste Spieler kann entweder erhöhen (“Wir haben mindestens 8 …”) oder “anzweifeln”. Bei letzterem decken alle auf und es wir geschaut wer recht hatte. Wer falsch lag, muss einen seiner Würfel abgeben und die nächste Runde geht los. Zum Nachdenken bringen einen die Joker, die jede Augenzahl annehmen können. Wer am Schluss als letzter noch Würfel übrig hat, ist Sieger!

  • Spieleranzahl: 2-6
  • Alter: 8+
  • Dauer: 10-15 Minuten
  • (Online-)Preis: 22-25€ (gebrauchte Versionen findet man oft und sehr viel günstiger)

Agenda

Nächste Woche gibt es wieder Rezensionen über zwei interessante Spiele: meinem Überraschungs-Hit des Jahres Portobello Market von Thomas Odenhoven und dem kleinen aber feinen Kartenspiel Pingu-Party von Reiner Knizia. Der zweite Teil meiner 5 Spiele für: -Reihe wird daraufhin von Spielen handeln, die mit großen Gruppen von sieben oder mehr Spielern gespielt werden können. Bis bald!

Seven Dragons | Spieletest Nr. 17: Seven Dragons

20. November 2011 // Posted in Spieletests (Tags: , , , ) |  No Comments

Manchmal spricht man ja im wahren Leben von der “Liebe auf den ersten Blick”. So ähnlich erging es mir bei Seven Dragons vom Looney Labs Verlag. Dieses amerikanische Kartenablagespiel von Andrew Looney überzeugt mit einem fantastischen Artwork und klaren, durchdachten Regeln. Seven Dragons ist bisher nur für den englischsprachigen Raum produziert. Jedoch sollte es kein Problem für 2-5 Spieler ohne gutes Englisch geben, denn mal abgesehen von den Regeln (die ich hier ins Deutsche übersetzte) müssen nur fünf Schlagwörter auf den Sonderkarten auseinander gehalten werden.

1. Material

In der kleinen Pappschachtel findest du 66 Drachenkarten in unterschiedlichen Farbkombinationen, 5 Zielkarten (Goal steht auf der Rückseite), eine silberne Startkarte und die Spielregeln, die bequem auf eine DIN A4-Doppelseite passen, inklusive Beispiele, Bilder, Alternativregeln für kleinere Kinder und FAQ.

2. Ziel

Der Name ist Programm: Du musst sieben Drachen deiner Farbe (siehe deine Zielkarte) ohne Unterbrechung verbinden, also waagerecht und/oder senkrecht aneinanderlegen. Aber Achtung: Deine Zielfarbe kann sich im Verlauf einer Partie schnell ändern!

3. Spielaufbau

Der Aufbau ist innerhalb von 30 Sekunden erledigt: Der silberne Drache kommt in die Tischmitte, die Zielkarten werden verdeckt gemischt und an jeden Spieler eine verteilt, übrige Ziele kommen (ebenfalls verdeckt) an die Seite. Schließlich musst du auch die restlichen Karten zu einem verdeckten Nachziehstapel mischen. Jeder Spieler erhält 3 Karten von dem Stapel.

4. Spielablauf

Der älteste Spieler beginnt, nach ihm geht es reihum im Uhrzeigersinn weiter bis ein Spieler gewonnen hat. Ein Zug sieht immer folgendermaßen aus:

  1. Zusätzliche Karte ziehen
  2. a) Drachenkarte an bereits liegende Drachen anlegen oder b) Sonderkarte auf offenen Ablagestapel spielen.

Vergiss nicht immer zuerst eine Karte vom verdeckten Stapel zu nehmen und dann die 2. Aktion auszuführen. Vom Sonderkarten-Ablagestapel kann nicht aufgenommen werden.

Drachenkarte anlegen:

Im Bild siehst du, dass sich die Drachenkarte nicht nur in der Farbe, sondern auch in der Anzahl der verschiedenfarbigen Drachen unterscheiden. Generell gilt:

  • Karten können nur in dieselbe Richtung gelegt werden wie der silberne Drache (d.h. drehen um 90° ist nicht möglich, aber um 180° schon!).
  • Der silberne Drache hat genauso wie der bunte Drache ersteinmal alle Farben. Sobald Sonderkarten auf dem Ablagestapel liegen, nimmt der silberne Drache die Farbe der obersten Sonderkarte an.
  • Wenn du eine Karte anlegen möchtest, musst du dabei mindestens eine Farbe von bereits liegenden Drachen zur neuen Karte verbinden.
  • Wenn du dabei sogar mehr als eine Farbe verbindest (siehe im Bild oben rechts: gelb nach unten verbunden, grün nach links), darfst du Bonuskarten nachziehen. Verbindest du 2 Farben darfst du eine extra Karte ziehen, bei 3 Farben sind es 2 zusätzliche Karten und bei 4 Farben schließlich 3 Bonuskarten, die du direkt am Ende deiner Runde auf die Hand nimmst.

Sonderkarten ausspielen:

Im unteren Foto siehst du die 5 Sonderkarten, deren Bild jeweils einer der 5 Farben zugeordnet ist.

Die Sonderkarten bringen nicht nur Abwechslung in eine Partie sondern helfen auch aus scheinbar aussichtsloser Lage wieder zurückzukommen. Wenn du sie ausspielst haben die Karten folgende Effekte:

  • Rotate Goals: Alle Zielkarten werden links- bzw. rechtsherum (du entscheidest) eine Position weitergegeben.
  • Trade Goals: Tausche deine Zielkarte mit irgendeiner anderen (vom Mitspieler oder denen, die nicht im Spiel sind).
  • Trade Hands: Tasche deine Handkarten mit denen eines Mitspielers.
  • Zap a Card: Nimm irgendeine ausliegende Drachenkarte auf deine Hand (nicht den silbernen Drachen).
  • Move a Card: Nimm irgendeine ausliegende Drachenkarte (nicht den silbernen Drachen) auf und lege sie direkt an eine andere passende Stelle an.

Du kannst Sonderkarten auch unter den Ablagestapel legen, wenn du nicht möchtest, dass sich die aktuelle Farbe des silbernen Drachen ändert.

5. Meine Meinung

Seven Dragons passt wunderbar in die Kategorie “einfache Regeln, leicht zu transportieren und viel Spaß für Zwischendurch”. Da eine Partie nur zwischen 5 und 20 Minuten dauert, macht mir auch die recht hohe Glückskomponente beim Kartenziehen nicht viel aus. Wenn man mehrere Runden spielt, gleicht es sich meist wieder aus. Ich muss gestehen, dass ich die Varianten für kleinere Kinder noch nicht ausprobiert habe, aber die Tatsache, dass diese gleich mitgeliefert werden, verdient ein kleines Sonderlob.

Trotz der simplen Regeln bringt einem dieses Spiel zum Nachdenken. Dabei gibt es meist keine “optimale Lösung” sondern mehrere Wege, die ans Ziel führen können. Wichtig ist beispielsweise die anderen so lange wie möglich im Unklaren über das eigene Ziel zu lassen, damit sie einem nicht dazwischenpfuschen.

Sicherlich ist Seven Dragons kein forderndes Strategiespiel aber das versucht es auch nicht zu sein. Auf Reisen, in der Mittagspause oder zwischen größeren Spielen kann ich es aber uneingeschränkt empfehlen. Bei amazon.de kann man dieses Kartenspiel für 12-15 € erstehen.

6. Bewertung

7/10 Punkte

Cartagena | Spieletest Nr. 16: Cartagena

14. November 2011 // Posted in Spieletests (Tags: , , ) |  No Comments

Nicht immer segeln Piraten auf hoher See. Manchmal wurden die Freibeuter auch gefangen genommen und in ein dunkles Verlies gesteckt. In Leo Colovinis Cartagena vom Winning Moves Verlag stecken deine Piraten in genau dieser Situation. Zum Glück ist das Gefängnis nicht sonderlich gut gesichert, so dass die Seeräuber durch einen Tunnel entkommen können. Aber die 2 bis 5 Spieler nehmen dabei keine Rücksicht auf die Piraten ihrer Kontrahenten.

1. Material

In der kompakten quadratischen Spielbox findest du eine überraschend kurze Anleitung mit zusätzlichem Beispielszenario, 103 kleine Karten, jeweils 6 Holzfiguren in 5 Farben, 6 doppelseitig bedruckte Tunnelpassagen und ein hübsches Boot aus Presspappe. An der Qualität gibt es nichts auszusetzen; nach über 25 Partien konnte ich noch keinerlei Verschleiß feststellen.

2. Spielziel

Bringe als erster deine 6 Piraten auf das Boot, das am Ende des Tunnels auf dich wartet, um zu gewinnen.

3. Spielaufbau

Im Bild siehst du den Aufbau für eine Partie mit 2 Spielern. Die Tunnelpassagen werden in beliebiger Reihenfolge und Richtung aneinander gelegt. Hierbei musst du nur darauf achten, dass ein Durchgang von Anfang bis Ende entsteht. Am Anfang des Tunnels werden jeweils sechs Figuren einer gewählten Farbe aufgestellt. Ans Ende kommt das rettende Boot.

Es gibt zwei Varianten Cartagena zu spielen: mit offenen oder verdeckten Karten. Die einzelne Pfeil-Karte dient als Richtungsanzeiger in der offenen Variante und wird in der anderen (die auch im Bild gezeigt ist) nicht verwendet. Die anderen 102 Karten werden verdeckt zum Stapel gemischt. Jeder Spieler erhält dann 6 Handkarten von diesem Nachziehstapel und schon kann es losgehen.

4. Spielablauf

Im Grunde ist Cartagena ein Wettlauf mit einem interessanten Kniff. Dabei benutzt du deine Handkarten um voran zu kommen. Im unteren Bild siehst du, dass auf den Karten die gleichen Symbole wie auf der Tunnelpassage abgebildet sind.

Wenn du am Zug bist, kannst du bis zu 3 Aktionen ausführen. Dazu kannst du einen oder mehrere verschiedene deiner Piraten nutzen. Grundsätzlich gibt es 2 unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten:

  1. vorwärts bewegen und
  2. zurück gehen, um neue Karten zu bekommen.

1. Möchtest du vorwärts ziehen, spielst du eine Karte aus. Wenn auf dieser z. B. ein Schlüssel abgebildet ist, kannst du eine deiner Figuren in Richtung Boot vorsetzen aber nur bis zum nächsten freien Schlüsselsymbol auf der Passage.

2. Möchtest du neue Karten ziehen, musst du eine deiner Figuren zurückziehen. Das machst du folgendermaßen: Du nimmst die ausgewählte Figur und ziehst sie soweit Richtung “Start” zurück bis sie zu einem Feld kommt, auf dem genau ein oder zwei andere Piraten stehen. Zu welchem Spieler diese anderen Seeräuber gehören, ist egal. Dort bleibt deine Figur stehen. Befindet sich 1 anderer Freibeuter auf diesem Feld, darfst du eine Karte ziehen. Sind dort 2 andere, ziehst du zwei Karten auf deine Hand. Du kannst auch Piraten, die schon im Boot stehen, wieder zurück in den Tunnel ziehen, um neue Karten zu bekommen.

Die beiden Handlungsmöglichkeiten können innerhalb der 3 Aktionen in deinem Zug beliebig kombiniert werden. Die Spieler sind wie üblich abwechselnd im Uhrzeigersinn an der Reihe. Sobald ein Spieler alle sechs Figuren auf dem Boot hat, ist das Spiel sofort vorbei und er ist Sieger.

5. Meine Meinung

Der Einstieg in Cartagena ist extrem leicht. Man hat zwar nur wenige Entscheidungsmöglichkeiten aber trotzdem schafft es dieses Spiel nie langweilig zu werden, egal mit welcher Spieleranzahl. Dabei stellt sich recht bald ein Lerneffekt ein und man wird immer besser. So lernt man beispielsweise nicht nur auf sein eigenes Vorankommen zu achten, sondern auch den Gegnern keinen großen Sprung oder das Nachziehen von 2 Karten auf einmal zu ermöglichen.

Kinder ab 8 Jahren können meiner Erfahrung nach recht bald mit den Erwachsenen mithalten und haben genauso Spaß an einer Partie, die meist 20-40 Minuten dauert.

Wer weniger glücksabhängig und mehr taktierend spielen möchte, spielt mit offenen Karten. Dann kann man genau vorausplanen welche Karten man beim Nachziehen bekommt und was die Gegner alles in ihren Zügen anstellen könnten. Dadurch kann jedoch der Spielfluss leiden und das Spiel kann sich etwas hinziehen.

6. Bewertung

7,5/10 Punkte

Podcasts und Online-Portale für Brettspieler

10. November 2011 // Posted in Theorien und Gedanken (Tags: , ) |  2 Comments

Zum Abschluss meines Fünfteilers “Wissenswertes rund um das Spielehobby” berichte ich heute über zwei Dinge, die erst durch die Verbreitung von Internet & Co. möglich wurden: Podcasts und Portale im Web, auf denen man digitale Versionen von Brettspielen mit Menschen aus aller Welt spielen kann.

Podcasts

Podcasts sind Ton- und manchmal auch Videoaufnahmen, die (von Privatleuten produziert) online angeboten werden. Viele von ihnen erscheinen regelmäßig und können über ein Feed abonniert werden, so dass man die aktuelle Episode immer automatisch auf sein iPhone, iPad oder sonstiges Empfangsgerät geschickt bekommt. Ich höre Podcasts gerne nebenbei während ich Arbeiten mache, bei denen man nicht voll konzentriert sein muss oder bei langen Zugfahrten.

Englisch vs. Deutsch 3 : 1

Es gibt Podcasts zu so ziemlich allen denkbaren Themen und natürlich sind auch Gesellschaftsspiele vertreten. Ich bin bei der Recherche zu einem Brettspiel auf The Dice Tower Podcast gestoßen. Das heutige Dice Tower Netzwerk umfasst u.a. Videorezensionen, Top 10 Listen, jährliche Auszeichnungen und wöchentlich eine neue Episode eines Audio-Podcasts, in dem Tom Vasel, Eric Summerer und viele internationale Referenten über so ziemlich alles Wissenswerte rund um Brettspiele innerhalb von ca. 60 Minuten berichten. Mit dem Dice Tower bekommt man einen guten Überblick über neue Spiele, Gerüchte aus der Branche und man kann ihnen auch Fragen schicken, die on-air beantwortet werden.

Auch der zweite Podcast, den ich empfehlen möchte – The Spiel – präsentiert sich als ein Dialog zwischen zwei Hobbyspielern: David Coleson und Stephen Conway haben ihr ganz eigenes Podcast-Konzept über das Spielehobby zu berichten. Ihre meist über zwei Stunden dauernden Folgen beschäftigen sich unter anderem mit aktuellen Ankündigungen, älteren Klassikern, Gewinnspielen und welche Spiele zu welchen Situationen passen. In jeder normalen Episode (sie bieten mehrere Sonderfolgen z.B. zum Spiel des Jahres an) stellen sie 1-2 Spiele sehr ausführlich vor. Sie gehen durch die wichtigsten Regeln, beschreiben die Komponenten und geben am Ende ihre Meinung ab. Kürzlich haben sie zusätzlich eine Video-Serie zur Messe in Essen aufgenommen. Dort kann man viele Interviews und Vorstellungen von neuen Titeln sehen.

Außerdem sei noch Ludology erwähnt. Geoff Engelstein und Ryan Sturm diskutieren in ihren ca. 45 Minuten dauernden Episoden über die Geschichte, Wissenschaft und das Design von Spielen.

Wenn die Englischkenntnisse nicht gut genug sind um die Amerikaner zu verstehen, gibt es leider (bisher) nur wenige Alternativen. Regelmäßige Audiopodcasts sind sehr rar. Am bekanntesten ist wahrscheinlich der “spiele-podcast“, der zwar was Tonqualität angeht nicht mit der Konkurrenz aus Übersee mithalten kann, aber schon seit langer Zeit und regelmäßig aktiv ist. Mit Ausnahme von Sonderepisoden zu Messen steht meist ein einzelnes Spiel im Vordergrund, das innerhalb von 10-25 Minuten rezensiert wird.

Online-Portale

Oft kommt es vor, dass man Lust auf ein Brettspiel hat, aber weit und breit ist kein Mitspieler zu finden. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Solo-Spiele (bzw. Varianten) oder den PC/Laptop anwerfen und ein Spiele-Portal besuchen. Es gibt wahrscheinlich mehrere kleine Portale aber ich stelle heute nur die beiden großen vor, die es im deutschen Raum gibt.

Yucata

Auf www.yucata.de kannst du zur Zeit 67 Spiele wie z.B. Finca, Drachenherz, Thurn und Taxis oder Stone Age spielen. Dort spielt man in der Regel asynchron (“turn-based”), also nicht gleichzeitig. Daher kann man einige Partien beginnen und ab und zu online gehen, um zu schauen ob man am Zug ist. Man kann sich auch eine automatische Mail schicken lassen, immer wenn man selbst an der Reihe ist. Natürlich besteht auch die Möglichkeit sich zu einem “schnellen Spiel” mit jemanden verabreden, der gerade online ist, um dann einen Zug nach dem anderen machen.

Meine Meinung: Die Website ist sehr übersichtlich, kann auf Deutsch oder Englisch dargestellt werden und ist visuell ansprechend. Das FAQ beantwortet mögliche Fragen und die Spielauswahl (samt kompletter Regeln) ist sehr vielseitig. Ein weiteres Plus ist das mittlerweile weit verbreitete Bestenlisten- und Rangsystem, das einen zusätzlich motiviert. Besonders gefällt mir die Möglichkeit, dass man 24 Stunden “als Gast spielen” kann und dafür keine Anmeldung nötig ist.

Brettspielwelt

Unter www.brettspielwelt.de findest du das wahrscheinlich bekannteste Portal für Brett- und Kartenspieler. Zwar stehen “nur” 45 Titel zur Auswahl, die haben es aber in sich: 7 Wonders, Dog, Dominion, Carcassonne, Siedler und noch viele beliebte Titel mehr. Meine Erfahrungen mit der Brettspielwelt (BSW) liegen schon ein wenig zurück aber damals waren alle meine Partien synchron (“simultaneous”), also war ich gleichzeitig mit meinen Gegnern online und wir haben einen Zug nach dem anderen ausgeführt bis die Spiele zu Ende waren.

Meine Meinung: Die BSW ist neben den Standardsprachen auch auf Niederländisch, Französisch und Italienisch verfügbar. Leider ist die Menüführung gerade für Neulinge eher unübersichtlich. Über die “Hilfe”-Funktion findet man jedoch recht schnell die Einführungsseite auf der alles Wichtige erklärt wird. Du kannst BSW auch über einen Downloadclient wie ein normales PC-Spiel starten. Damit hast du schnellere Ladezeiten und kannst dein Interface individuell anpassen.

Fazit

Das Internetzeitalter ermöglicht einem sich so ausführlich man will über Spiele zu informieren oder sie direkt online zu spielen. Ich persönlich bevorzuge jedoch immer eine Spielerunde mit Freunden in persönlichem Kontakt. Online geht dieses Feeling meist verloren. Man fühlt sich trotz Chatfunktion manchmal so, als würde man ein PC-Spiel gegen den Computer spielen. Podcasts hingehen nutze ich regelmäßig. Dies hilft mir zum einen dabei up-to-date über die Spieleindustrie zu bleiben und zum anderen werden dort viele Titel vorgestellt, die vielleicht genau das Spiel sind, wonach man schon so lange gesucht hat.

Agenda

Nachdem meine Serie über das Spielehobby nun erstmal fertig ist, beginnt bald eine neue Reihe im Theorieteil. Ich werde einige Kategorien von Spielen diskutieren und jeweils eine Liste von Spielen präsentieren die dazu passen. So geht es im ersten Teil z.B. um gute Spiele, deren Regeln in (weniger als) 2 Minuten erklärt werden können. Bis dahin versorge ich euch mit Rezensionen zum Piratenspiel Cartagena von Leo Colovini und dem Kartenspiel Seven Dragons von Andrew Looney.

Um auch die Leute anzusprechen, die nicht so vertraut mit dem Deutschen sind, werde ich demnächst beginnen ab und zu eine Rezension auf Englisch zu veröffentlichen. Wie immer freue ich mich über Feedback in Form von Kritik oder auch Anregungen, auch gerne über Spielekategorien zu denen ich passende Titel vorstellen kann. Bis bald!

Finca | Spieletest Nr. 15: Finca

1. November 2011 // Posted in Spieletests (Tags: , , ) |  No Comments

Der Hans im Glück Verlag ist bekannt für seine strategischen Spiele, die nicht nur Hobbyspieler sondern auch Familien ansprechen. Ein gutes Beispiel dafür ist Ralf zur Lindes & Wolfgang Sentkers Finca. In diesem Spiel schlüpfen 2-4 Spieler in die Rolle von Farmern auf der schönen Mittelmeerinsel Mallorca. 2009 gehörte das Spiel laut der Spiel des Jahres-Jury zu den besten 5 Titeln. Letztendlich musste es sich aber dem innovativen Dominion geschlagen geben.

1. Material

In der Finca-Box findest du neben einer übersichtlichen Anleitung und einem (kleinen) Spielbrett jede Menge Materialien aus Holz und hochwertiger Presspappe. Mit dem Bild konnte ich nicht mal alle Teile einfangen. Links oben auf dem Spielplan stehen 20 Spielfiguren in 4 Farben, Bonusplättchen und Eselsplättchen. Weiter unten kannst du 6 hölzerne Fincas, verschiedenfarbige Windmühlenplättchen und Aktionschips sehen. Besondere Erwähnung verdienen die 108 Handelswaren bzw. Früchte aus Holz in verschiedenen Farben und Formen. Schließlich gibt es über 40 Nachfrage-Plättchen und genug ZIP-Tüten um alles gut zu verstauen.

2. Spielziel

Nutze das Windrad um viele Früchte zu sammeln und verteile diese geschickt an die einzelnen Dörfer der Insel. Wer die meisten Früchte verkaufen kann und sich vielleicht noch zusätzlich Bonuspunkte ergattert, hat am Ende die meisten Punkte und wird zu Sieger gekürt.

3. Spielaufbau

Der Spielaufbau ist nicht ganz einfach und dauert ca. 10 Minuten, wenn man es alleine macht. Im Bild ist der Aufbau für eine Partie zu zweit abgebildet. Zunächst werden die Windmühlenblätter gemischt und dann zufällig auf dem Vordruck des Spielbretts links oben verteilt. In deren Mitte kommen die Eselsplättchen. In jede der 10 Regionen Mallorcas kommt ein zufälliges kleines Bonusplättchen und daneben vier ebenfalls zufällig ausgesuchte Nachfrageplättchen übereinander, sodass man nur das oberste sieht.

Neben das Spielbrett kommen die Fincas sowie die Setbonus-Plättchen geordnet mit der 7 oben, dann 6, 5, 4. Außerdem sollten alle Fruchtspielsteine in greifbarer Nähe sein. Es erleichtert den Spielablauf, wenn sie bereits nach Typ sortiert sind. Schließlich erhält jeder Spieler die Spielfiguren und Aktionschips einer Farbe. Die Anzahl der Eselplättchen, Spielfiguren und Fincas hängen von der Spielerzahl ab, was sehr gut in der Anleitung verdeutlicht wird.

4. Spielablauf

Vor der ersten Runde werden die Spielfiguren abwechselnd eine nach der anderen auf den Windmühlenblättern platziert (es können auch mehrere auf dem gleichen stehen). Dadurch entsteht eine Ausgangssituation für die Bewegung auf der Windmühle, die dazu dient Früchte zu sammeln.

Beginnend beim Startspieler (und von da an reihum im Uhrzeigersinn) hat jeder die Auswahl eine von drei möglichen Grundaktionen auszuführen:

  1. Spielfigur bewegen um Früchte zu ernten
  2. Früchte an Dörfer liefern
  3. Aktionschip einsetzen.

1. Spielfigur bewegen:

Man darf eine seiner eigenen Figuren um genau so viele Windblätter im Uhrzeigersinn bewegen, wie Figuren auf ihrem aktuellen Startfeld stehen, also z.B. nur ein Feld wenn sie alleine auf ihrem Feld war. Nachdem sie gesetzt wurde, erhält ihr Besitzer Früchte in Höhe der Anzahl von Spielfiguren auf ihrem jetzigen Feld, also ebenfalls mindestens eine und zwar von dem Typ, der auf dem aktuellen Windblatt des Feldes abgebildet ist. Wenn man bei der Figurenbewegung über eine der beiden „Trennlinien“ gekommen ist, kann man sich zusätzlich zu den Früchten ein Eselplättchen nehmen.

2. Früchte ausliefern:

Wenn man einen Esel und mindestens eine Frucht zur Verfügung hat, die in den Dörfern nachgefragt wird, kann man diese Aktion ausführen. Dazu legt man das Eselsplättchen sowie die ausgelieferten Früchte zurück in deren Vorrat und nimmt sich die erfüllten Nachfrage-Plättchen. Dies können mehrere sein, jedoch darf deren Summe 6 nicht überschreiten. Plättchen mit hellbraunen ?-Feldern wollen irgendeine Frucht, aber immer dieselbe in genau der abgebildeten Anzahl. Wenn das letzte Plättchen aus einer Region genommen wurde, wird eine der Holzfincas in die Region gestellt und der Regionsbonus wird vergeben (siehe unten).

3. Aktionschip einsetzen:

Jeder Spieler hat vier von ihnen zur einmaligen Verfügung. Pro Runde kann nur ein Chip eingesetzt werden. Die 4 Aktionen sind:

  1. Doppelzug am Windrad
  2. Spielfigur auf beliebiges Feld am Windrad stellen
  3. Großen Zusatz-Esel benutzen, der 10 statt 6 Früchte tragen kann
  4. Eine Frucht weniger bringen als auf Nachfrageplättchen verlangt wird.

Boni:

  • Setbonus: Hat man Nachfrageplättchen mit allen Werten von 1 bis 6 gesammelt, so bekommt man sofort das oberste noch verfügbare Setbonus-Plättchen.
  • Regionsbonus: Nachdem das letzte Nachfrageplättchen aus einer Region entfernt wird, bekommt derjenige das Bonusplättchen der Region, der die meisten der darauf abgebildeten Früchte auf ihren gesammelten Nachfrageplättchen hat.

Sobald alle Holzfincas auf dem Spielplan stehen, ist das Spiel sofort vorbei. Nun zählen die Spieler alle ihre Punkte zusammen (Nachfrageplättchen, Regionsboni, Setboni und nicht benutzte Aktionschips). Übrige Frucht-Spielsteine bringen nichts ein. Wer die meisten Punkte hat, ist überraschenderweise der Sieger!

5. Meine Meinung

Für aktuell 21€ bei amazon.de bekommt man mit Finca ein (nicht nur graphisch) sehr schönes Spiel. Mir gefällt die taktische und strategische Vielfalt. Allein das Planen der Spielfigurbewegung ist eine kleine Wissenschaft für sich, die zum Denken anregt. Man kann das Spiel aber auch recht locker nehmen und einfach drauf losspielen ohne seine Aktionen lange durchzuplanen.

Natürlich erzielt man damit vermutlich keine Punkterekorde, aber wenn die Mitspieler es genauso handhaben, macht es Spaß und die Partie geht flott. Zu zweit dauert es ca. 25-30 Minuten plus die Aufbauzeit. Genau diese ist einer der wenigen Aspekte an Finca, die mich stören. Ansonsten kann ich es für gelegentliches Spielen uneingeschränkt empfehlen.

Noch zwei Tipps zum Abschluss:

  1. Folgende Variante kannst du mal ausprobieren: Du musst in jeder Runde eine Figur am Windrad bewegen und kannst zusätzlich Früchte ausliefern oder einen Aktionschip einsetzen. Dadurch wird Finca (noch) flotter aber spielt sich etwas anders.
  2. Die Mini-Erweiterung El Razul fügt einige kleine interessante Aspekte hinzu, die mehr Vielfalt ermöglichen. Sie war Beilage in einer spielbox-Ausgabe und kann möglicherweise über Boardgamegeek oder ebay.de erworben werden.

6. Bewertung

8/10 Punkte