Normalerweise folgen nach einer Spiel-des-Jahres-Auszeichnung recht bald viele offizielle Nachfolger des Siegertitels. Bisher blieb das für den Gewinner von 2011 (Qwirkle) jedoch aus. Vor kurzem habe ich aber ein kleines Amigo-Kartenspiel von Reiner Knizia entdeckt, das sich in vielen Aspekten ähnlich spielt wie das abstrakte Spiel des Jahres. In Big Five geht es für 1-4 Spieler ab 7 Jahre darum, Tier- oder Farbgruppen mit seinen Handkarten zu bilden und so alle Karten vom eigenen Stapel loszuwerden.
1. Spielmaterial
Keine Überraschungen hier: du findest in der kleinen Schachtel 100 kleine Karten, die jeweils ein Tier mit einer Hintergrundfarbe zeigen, und eine für Amigo typische gefaltete Spielanleitung.
2. Ziel
Werde als erster alle deine Hand- und Stapelkarten los, indem du sie den Regeln entsprechend an die Tier- und Farbreihen auf dem Tisch anlegst.
3. Spielaufbau
Die Vorbereitung geht schnell und einfach: Lege eine Karte offen in die Mitte und verteile die restlichen Karten gleichmäßig an die Spieler. Bei 2 und 4 Spielern bleiben Karten übrig, die aus dem Spiel genommen werden. Gerade bei 2 Spielern empfiehlt es sich nicht bis 49 einzeln auszuteilen, sondern einfach 2 Stapel zu formen, diese nebeneinander zu legen und so umzubauen, dass sie gleich hoch sind. Nun wird die Schachtel in die Nähe des Geschehens gelegt (dort sammelt man alle abgelegten Karten) und jeder Spieler zieht 5 Handkarten von seinem verdeckten Stapel.
4. Spielablauf
Nacheinander sind die Spieler nun an der Reihe Karten von ihrer Hand an die Karten auf dem Tisch anzulegen. Es gibt 5 verschiedene Tiere (Gorillas, Löwen, Elefanten, Giraffen und Zebras) sowie 5 unterschiedliche Hintergrundfarben. Jede Kombination kommt 4 mal vor, sodass insgesamt 100 Karten dabei sind.
Natürlich gibt es Regeln, die einschränken, wie man die Tiere und Farben verbinden darf. Wer Qwirkle kennt, ist hier klar im Vorteil, denn es gibt nur einen gravierenden Unterschied (Regel Nr. 2). Die drei Anlegeregeln für deine Handkarten lauten:
- Die Karten werden zu einer Gruppe abgelegt mit der alle neu abgelegten Karten waagerecht oder senkrecht verbunden sind.
- Mindestens eine Karte der erweiterten Gruppe muss vorher schon in der Auslage gelegen haben.
- In einer Gruppe dürfen sich nur entweder gleiche Tiere mit verschiedenen Farben befinden oder unterschiedliche Tiere mit gleicher Farbe.
Entsprechend der Regeln kann ich also maximal 4 meiner Handkarten im gleichen Zug ablegen. Das untere Bild zeigt, welche Karte in dem Beispiel abgelegt werden kann und welche nicht.
Den grünen Löwen links kann ich nicht ablegen, obwohl er in der grünen Reihe noch fehlt (da über ihm nur andere Löwen oder grüne Karten sein dürfen, dort aber ein violetter Gorilla liegt). Aber die grüne Giraffe kann ich rechts an die grüne Reihe anlegen.
Beispiel zur Regel 2
Im unteren Bild kann ich die beiden gelben Karten nicht legen, da diese Karten eine neue waagerechte Reihe bilden, von der vorher keine Karte auslag. Den gelben Elefanten allein darf ich hingegen legen, weil er die Elefantenreihe erweitert, von der vorher schon der grüne Artgenosse lag.
Immer wenn du eine 4. Karte an einer Reihe gelegt hast, darfst du eine deiner Hand- oder die oberste Stapelkarte aus dem Spiel nehmen (in die Schachtel). Solltest du sogar eine 5. Karte an eine Farb- oder Tierreihe legen, darfst du gleich 2 Karten aus dem Spiel nehmen. Wenn du sogar die 4. und 5. auf einmal ablegst, wirst du gleich 3 zusätzliche Karten los. In seltenen Fällen kannst du sogar mehrere Reihen mit einer Auslage beenden, sodass du auch mal 4 oder 5 Karten aus dem Spiel nehmen darfst.
Am Ende deines Zuges ziehst du immer Karten von deinem Stapel nach bis du wieder 5 auf der Hand hältst. Sobald dein Stapel leer ist, musst du nur noch deine Handkarten loswerden und schon hast du gewonnen!
5. Meine Meinung
Obwohl ich das ähnliche Legespiel Qwirkle besitze, finde ich, dass es sich lohnt auch Big Five in meiner Sammlung zu haben. Das Letztere zeichnet sich durch folgende Unterschiede im Vergleich zu seinem inoffiziellen Cousin aus:
- es ist klein, leicht und kompakt
- es ist thematisch nicht abstrakt, sondern hat ein familienfreundliches Tierthema
- das lästige Punkteaufschreiben ist nicht nötig
- es spielt sich in 20 statt 40 Minuten
All diese Aspekte würde ich persönlich positiv bewerten. Folgende Gegenargumente sollten aber nicht vergessen werden:
- Qwirkle bietet für wenig Geld hochwerte Holzkomponenten
- Qwirkle bietet mehr taktische Legemöglichkeiten, da die Regel Nr. 2 von Big Five stark einschränkend wirkt
Meine Empfehlung:
Wenn du keines der beiden Spiele kennst, probiere sie auf jeden Fall mal aus! Falls du Qwirkle schon besitzt, solltest du die oben beschriebenen Argumente abwägen, um zu entscheiden, ob sich das Kartenspiel auch für dich lohnt. Ich jedenfalls bin froh beide in meinem Schrank zu haben.
6. Bewertung
7/10 Punkte
