Wissenswertes rund um Brettspiele

Hier fasse ich meine fünfteilige Reihe zum Thema “Wissenswertes rund um das Spielehobby” zusammen damit du nicht von Artikel zu Artikel springen musst, sondern alles auf einen Blick hast.

Die fünf Aspekte, die ich in dieser Serie behandle, sind:

  1. Spiel des Jahres Auszeichnungen
  2. Die SPIEL in Essen und andere Spielemessen
  3. Deutsche Spieletradition
  4. Spiele designen – Hobby oder Berufung?
  5. Podcasts & Online-Portale für Brettspieler

 

1. Spiel des Jahres Auszeichnungen

Bedeutung

Wenn man sich die Spieleboxen so anschaut sieht man oft die Symbole für verschiedenste Awards, die gewonnen wurden: Parent’s Choice Award, Mensa Award, Deutscher Spielepreis, Spiel der Spiele, International Gamers Awards und und und. Aber keine Auszeichnung kommt nur annähernd an die Bekanntheit des Spiel des Jahres heran. Die rote Spielfigur (Pöppel) mit dem Lorbeerkranz dient als Erkennungszeichen für Jedermann, egal ob Nicht-Spieler, der seinem Enkel ein Geschenk aussuchen möchte, Gelegenheitsspieler oder ausländischer Spieletester. Dies schlägt sich natürlich auch in den Verkaufszahlen nieder, wenn ein Spiel die Auszeichnung bekommt, ist es nicht nu eine Ehre, sondern auch ein finanzieller Segen. Leider habe ich online nirgendwo offizielle Verkaufsstatistiken zu Brettspielen gefunden, sollte da jemand eine Webpage kennen, bitte Bescheid sagen!

Geschichte

Seit 1979 wählt eine Jury, bestehend aus Experten aus der deutschsprachigen Spieleszene, das beste Spiel, das im jeweils vergangenen Jahr in Deutschland produziert wurde und die Kriterien erfüllt. Das Hauptkriterium ist von Anfang an bis heute das gleiche: es muss ein Familienspiel sein (was nicht genauer definiert ist, aber im Grunde wohl bedeutet, dass es sowohl Erwachsene, als auch Teenager ansprechen und für mehr als drei Personen ausgelegt sein soll). Weiterhin sollte das Spiel des Jahres unter vielen anderen guten Spielen als ein hervorragendes Spiel Werbung für das “Kulturgut Spiel” machen und zeigen, dass Jahr für Jahr neue interessante Spiele in Deutschland veröffentlich werden. Daher sind Kreativität, Spielwitz und ein ansprechendes Design klar von Vorteil.

Ebenfalls 1979 wurde der erste Sonderpreis verliehen. Damals für das “Schönste Spiel”. Ab den 1990er Jahren wurde auch immer öfter ein Sonderpreis für ein Kinderspiel vergeben, aus dem sich 2001 das offizielle “Kinderspiel des Jahres” entwickelt hat, das ab dann jährlich verliehen wurde. Ganz frisch ist dieses Jahr eine weitere Auszeichnung hinzu gekommen: das “Kennerspiel des Jahres”, was etwas komplexere Titel auszeichnet, die eher Vielspieler ansprechen.

Auswahlverfahren

Nach den oben genannten Kriterien werden zunächst in Frage kommende Spiele auf einer Empfehlungsliste zusammen gestellt. Heutzutage sind es zwei Listen, Kinderspiele haben eine eigene. Dann werden pro Kategorie (Kenner-, Kinder- und Spiel des Jahres) 3 Titel nominiert und erst am Abend vor der Bekanntgabe entscheidet sich die Jury welches Spiel sich durchsetzt.

Aktuelle Preisträger

2011 haben gewonnen:

  • Spiel des Jahres: Qwirkle von Susan McKinley Ross
  • Kinderspiel des Jahres: Da ist der Wurm drin von Carmen Kleinert
  • Kennerspiel des Jahres: 7 Wonders von Antoine Bauza

Zum Schluss noch meine Top 3 der “Spiel des Jahres-Nominierten, die nicht gewonnen haben obwohl sie es verdient hätten”:

  1. Ohne Furcht und Adel von Bruno Faidutti im Jahr 2000, anstelle von Torres
  2. Stone Age von Michael Tummelhofer im Jahr 2008, anstelle von Keltis
  3. Das verrückte Labyrinth von Max Kobbert im Jahr 1986, anstelle von Heimlich & Co.

Falls du mehr zu dem Thema wissen möchtest, so findest du alles wissenswerte auf: www.spiel-des-jahres.org

2. Die SPIEL in Essen und andere Spielemessen

Spielemessen

Messen gibt es heutzutage für alles Mögliche: Autos, Lebensmittel, Solarenergie und und und. Da darf natürlich ein Gesellschaftsspiele Vertreter nicht fehlen. Dort werden Neuerscheinungen vorgestellt, noch unbekannte Prototypen getestet, Klassiker gespielt, Freunde gefunden, Verbindungen geknüpft und vieles mehr. Meist hat man 3-4 Tage dafür Zeit und kann nebenbei auch noch an Versteigerungen teilnehmen, Turniere mitspielen, Preisverleihungen verfolgen oder schlicht und einfach die Atmosphäre genießen.

In Deutschland finden die beiden bekanntesten Messen in Nürnberg (jährlich im Februar) und in Essen (Ende Oktober) statt. Leider ist die Spielewarenmesse Nürnberg Fachbesuchern vorbehalten, daher kann ich nicht sonderlich viel von ihr erzählen. Große Spielemessen gibt es natürlich auch außerhalb von Deutschland, in den USA sind die beispielsweise Gen Con (Indianapolis, Indiana) und die Origins Game Fair (Columbus, Ohio) sehr bekannt und wachsen seit einigen Jahren recht stetig an Ausstellern und Besuchern.

Die internationalen SPIELtage in Essen

Wie der Titel schon verrät, soll heute das Hauptaugenmerk auf der SPIEL in Essen liegen. Seit 1983 ist Essen DAS Mekka für Spielefreunde. Unbestätigten Angaben zu Folge ist die SPIEL die größte Messe weltweit für Brettspiele, Kartenspiele, Miniaturspiele, Rollenspiele, Comics und ähnliches. Außerdem gibt es riesige Bereiche für Kinder mit Hüpfburgen, Rennbahnen etc. In den letzten Jahren haben jeweils ca. 150.000 Besucher ihren Weg zum Essener Messegelände gefunden. Tendenz steigend. Kein Wunder, dass auch das mediale Interesse über die Jahre gestiegen ist und die halbe (Spiele-)Welt auf ihre Eröffnung hin fiebert.

Wenn du mal exotische Spiele anschauen oder testen möchtest, so schau mal in der internationalen Halle vorbei, wo Aussteller aus aller Welt ihre (neuen) Titel präsentieren. Bisher sind schon ca. 450 Neuerscheinungen angekündigt. Mit grundlegenden Englisch Kenntnissen (oder natürlich Deutsch) kommt man fast immer aus.

In diesem Jahr findet sie vom 20. bis zum 23. Oktober statt. Eintrittspreise liegen bei 11,50€ für Erwachsene, 8,50€ ermäßigt für Schüler, Studenten, Rentner,… und 6,50€ für Kinder unter 12 für eine Tageskarte. Es werden auch Gruppen- und Dauerkarten angeboten. Genaueres ist auf http://www.internationalespieltage.de zu finden.

Es war nicht leicht für mich über die SPIEL zu schreiben ohne, dass es wie Werbung klingt. Um eine mehr oder minder ausgeprägt Objektivität vorzugaukeln nun noch ein paar kritische Aspekte: Gerade zu den Stoßzeiten ist die Messe voll, sehr voll. Gerade wenn man mal in Ruhe ein Spiel ausprobieren möchte fehlt oft der Platz und man muss notgedrungen auf den Fußboden zurückgreifen. Außerdem sollte man sich frühzeitig um Übernachtungsmöglichkeiten in der Nähe umschauen, falls man mehrere Tage bleiben möchte. Die Hotels sind immer sehr schnell ausgebucht.

Top Aussteller

Wie immer eine kleine Rangliste zum Schluss. Heute nenne ich die Top 5 Aussteller,  bei denen du auf jeden Fall bei einem Spielemessebesuch vorbeischauen solltest:

  1. Hans im Glück / Schmidt Spiele
  2. Kosmos
  3. Days of Wonder
  4. Fantasy Flight Games
  5. Die kleinen Unbekannten, die irgendwo in einer Ecke ihren Stand haben und vielleicht DAS Spiel auf ihrem Tisch liegen haben.

 

3. Deutsche Spieletradition

Spielkulturen

Spiele kann man sicherlich als ein kulturelles Gut bezeichnen. Aber unterscheidet sich dann auch der Spielegeschmack in verschiedenen Kulturen bzw. Ländern? Ich habe zwar keine fundierten Daten auf die ich zurückgreifen kann, aber durch eigene Erfahrungen sowie Berichte und Gespräche mit anderen Spielern haben sich einige interessante Unterschiede zwischen der deutschen und anderen Spielekulturen aufgetan.

Die Wurzeln

In Deutschland hat man sich schon seit dem 17. Jahrhundert in Kneipen getroffen, um Kartenspiele zu spielen. Meist in fester Runde und mit dem einen oder anderen Bierchen nebenbei. In Asien gab es zwar schon früher einige Spiele basieren auf ein Kartendeck, jedoch dauerte es eine Weile bis sie nach Europa kamen. Anfangs waren sie sogar per Gesetz verboten, da das Glücksspiel mit dem Teufel assoziiert wurde. Klassische Kartenspiele wie Skat, Doppelkopf, Canasta, Rommé und Bridge gehören dabei zu den Bekanntesten. Selbst heute erfreuen sich diese Klassiker noch großer Beliebtheit und dienen auch als Ideengeber für moderne Versionen wie beispielweise Wizard oder Keltis: Das Kartenspiel.

Deutschland als Entwickler der Euro Games

Fragt man in internationalen Spielerkreisen welches Land den größten Einfluss auf die heutige Spielelandschaft hat, so wird man nicht selten “Deutschland” als Antwort bekommen. In Deutschland wurde gerade in der Familie großen Wert auf Brettspiele und Kartenspiele gelegt. Kein Wunder, dass schon in den 1980er Jahren die Resonanz für die Spiel des Jahres Auszeichnung so groß war und schnell weiter wuchs. Den weltweiten Durchbruch für die neue Spielegeneration schaffte zweifelsfrei Klaus Teubers Die Siedler von Catan. Mitte der 1990er Jahre schwappte die Begeisterung für “German Games” oder “Euro-Games” über die Ozeane nach Amerika und Australien. Deutschland wurde bekannt für innovative Spielideen, hochwertiges Material und natürlich die guten alten Meeples, die spätestens seit Carcassonne von Klaus-Jürgen Wrede jeder kennt.

Spielt Deutschland anders?

Schaut man sich die Regale von Hobbyspielern, Familien und Verkäufern an und vergleicht man sie z.B. mit den USA, so fallen ein paar Dinge schnell auf:

  • Die Auswahl an Kinderspielen (u.a. dank HABA) ist hierzulande deutlich größer.
  • Manche Themen scheinen hier kaum anzukommen, vor allem Weltkriegsszenarien und Weltraum-/Science Fiction-Spiele.
  • Bei uns bekommt man Spiele in viel mehr Geschäften, zwar nicht so eine Auswahl wie im Fachgeschäft aber jeder größere Buch- und Spielzeugladen, viele Kaufhäuser und sogar manchmal Discounter bieten Gesellschaftsspiele an.

Zum Abschluss möchte ich heute 5 Kartenspiele empfehlen, die besonders für all diejenigen interessant sein dürften, die klassische Kartenspiele mögen:

  1. Wizard von Ken Fisher
  2. Die Sieben Siegel von Stefan Dorra
  3. Poison von Reiner Knizia
  4. Keltis: Das Kartenspiel von Reiner Knizia
  5. Archaeology: The Card Game von Phil Harding.

 

4. Spiele erfinden – Hobby oder Berufung?

Der erste Abschnitt über das Designen und Vermarkten von Spielen wird recht subjektiv, da ich vor allem über meine eigenen Erfahrungen mit dem Spiele entwickeln schreibe. Danach folgt eine Übersicht über das Kickstarter Project, das dabei hilft eine finanzielle Grundlage für das Veröffentlichen von neuen Titeln zu schaffen.

Gibt es nicht schon genug Spiele?

In der Datenbank von Boardgamegeek sind aktuell über 54.000 Spiele registriert, wobei darunter auch diverse kostenlose Print-and-Play-Spiele und Promos (z.B. Zusatzkarten zu anderen Spielen, die auf Messen verteilt werden) fallen. Natürlich kenne ich nur einen kleinen Bruchteil aller Brettspiele und Kartenspiele, die auf der Welt existieren. Aber von den Hunderten mir bekannten Titeln war keiner genau so, wie ich wollte.

Von einer Idee zum Prototypen

An einem langweiligen Herbstabend während meines Auslandssemesters setzte ich mich an meinen Schreibtisch und listete Eigenschaften auf, die „mein Spiel“ haben sollte. Aus der anfänglichen Liste wurden schnell genauere Vorstellungen. Dazu kamen Zeichnungen eines Spielbretts auf Zettel und mit Paint erstellt. Schon wenige Tage später hatte ich meinen ersten Prototyp gebastelt und war sehr stolz auf mein Werk.

Im Zuge meiner Recherche zum Entwickeln von Spielen stieß ich recht bald online auf viele Informationen und eine Website, die Spielematerialien auch in kleinen Mengen verkauft (www.spielematerial.de).

Diese halfen mir mein Wissen zu erweitern und die Qualität meiner Konzeptionen zu verbessern. Aber ein Problem blieb: Ein Prototyp muss getestet werden! Leider kam ich bis heute nicht dazu diesen ersten Titel gegen andere Gegner als mich selbst zu spielen aber das war nur der Anfang. Seit jenem Herbst 2010 habe ich gut 10 Spielekonzepte entwickelt, von denen ein paar recht ausgereift und mit gutem Material gebastelt sind. Es macht mir Spaß Ideen weiterzuentwickeln, zu testen und immer weiter zu verbessern. Ich hoffe, dass irgendwann einmal eines meiner Spiele im Laden zu kaufen sein wird.

Wird man vom Spiele erfinden reich?

Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit heißt die Antwort darauf „nein“. Ich habe mal einen Artikel gelesen, dass selbst im spielefreundlichen Deutschland nur drei oder vier Spieleerfinder allein von dieser Arbeit leben können. Also ist es mehr ein Hobby oder im besten Fall ein Zuverdienst aber keine Möglichkeit viel Geld zu machen.

Prototyp entwickelt, und jetzt?

Viel kann ich dir dazu nicht sagen, da ich bisher selbst nicht wirklich über diese Hürde hinweg gekommen bin. Es gibt aber einige gute Leitfäden für neue Spieledesigner auf den Websites von Spieleverlagen wie Amigo Spiel und Schmidt Spiele. Kurz zusammengefasst solltest du Folgendes tun nachdem du deine Ideen zu Papier gebracht und einen Prototyp gebastelt hast:

  1. Testen, nachbessern, testen und nochmal testen. Am besten in verschiedenen Gruppen, mit allen Spieleranzahlen, die dein Spiel erlauben soll. Gib die Spielregeln zu Leuten, die keine Ahnung von dem Spiel haben und schau, ob sie alles verstehen. Sei offen für Kritik.
  2. Hast du dann ein ausgereiftes Produkt kannst du wagen es zu Verlagen zu schicken. Manche fordern dafür einen Unkostenbeitrag (Ravensburger), manche wollen erstmal nur die Spielregeln lesen und geben dann Bescheid ob sie den Prototyp testen wollen. Auf jeden Fall solltest du wissen für welche Zielgruppe es geeignet ist. Schicke kein 3-Stunden Strategiekracher zu Amigo und kein Kleinkinderspiel zu Hans im Glück.
  3. Dann heißt es Geduld bewahren und es auch nach Rückschlägen weiter versuchen. Ab und zu finden Messen oder Autorentreffen (z.B. jährlich in Göttingen) statt, auf denen du deinen Prototypen vorstellen kannst.

Kickstarter Project

Kleinen Spieleverlagen oder Privatpersonen fehlen oft die Mittel um die Produktionskosten für neue Spiele zu tragen. Seit einigen Jahren gibt es die Online-Plattform Kickstarter, die dabei aushilft. Dort kann man finanzielle Unterstützer („backers“) für sein Projekt suchen, das kann ein Brett- oder PC-Spiel sein, ein Film, ein Buch oder Ähnliches.

In der Regeln stellt man sein Projekt mit einen Text, Fotos oder einem Video vor, wählt eine Geldsumme als Ziel („target“) einen Zeitraum und einige Finanzierungsabstufungen mit Boni (z.B. das Spiel mit Preisnachlass, Promos, Signierte Box, Merchandise Artikel etc.) für die Leute, die sich entscheiden ihr Geld zur Verfügung zu stellen.

Wenn das Ziel erreicht wurde, kommt das Projekt zu Stande, man bekommt das Geld und muss seine versprochenen Boni (sobald das möglich ist) an die backers geben.

Für mehr Informationen, schau dir einfach die englisch-sprachige Website www.kickstarter.com an.

 

5. Podcasts & Online-Portale für Brettspieler


Zum Abschluss meines Fünfteilers “Wissenswertes rund um das Spielehobby” berichte ich heute über zwei Dinge, die erst durch die Verbreitung von Internet & Co. möglich wurden: Podcasts und Portale im Web, auf denen man digitale Versionen von Brettspielen mit Menschen aus aller Welt spielen kann.

Podcasts

Podcasts sind Ton- und manchmal auch Videoaufnahmen, die (von Privatleuten produziert) online angeboten werden. Viele von ihnen erscheinen regelmäßig und können über ein Feed abonniert werden, so dass man die aktuelle Episode immer automatisch auf sein iPhone, iPad oder sonstiges Empfangsgerät geschickt bekommt. Ich höre Podcasts gerne nebenbei während ich Arbeiten mache, bei denen man nicht voll konzentriert sein muss oder bei langen Zugfahrten.

Englisch vs. Deutsch 3 : 1

Es gibt Podcasts zu so ziemlich allen denkbaren Themen und natürlich sind auch Gesellschaftsspiele vertreten. Ich bin bei der Recherche zu einem Brettspiel auf The Dice Tower gestoßen. Das heutige Dice Tower Netzwerk umfasst u.a. Videorezensionen, Top 10 Listen, jährliche Auszeichnungen und wöchentlich eine neue Episode eines Audio-Podcasts, in dem Tom Vasel, Eric Summerer und viele internationale Referenten über so ziemlich alles Wissenswerte rund um Brettspiele innerhalb von ca. 60 Minuten berichten. Mit dem Dice Tower bekommt man einen guten Überblick über neue Spiele, Gerüchte aus der Branche und man kann ihnen auch Fragen schicken, die on-air beantwortet werden.

Auch der zweite Podcast, den ich empfehlen möchte – The Spiel – präsentiert sich als ein Dialog zwischen zwei Hobbyspielern: David Coleson und Stephen Conway haben ihr ganz eigenes Podcast-Konzept über das Spielehobby zu berichten. Ihre meist über zwei Stunden dauernden Folgen beschäftigen sich unter anderem mit aktuellen Ankündigungen, älteren Klassikern, Gewinnspielen und welche Spiele zu welchen Situationen passen. In jeder normalen Episode (sie bieten mehrere Sonderfolgen z.B. zum Spiel des Jahres an) stellen sie 1-2 Spiele sehr ausführlich vor. Sie gehen durch die wichtigsten Regeln, beschreiben die Komponenten und geben am Ende ihre Meinung ab. Kürzlich haben sie zusätzlich eine Video-Serie zur Messe in Essen aufgenommen. Dort kann man viele Interviews und Vorstellungen von neuen Titeln sehen.

Außerdem sei noch Ludology erwähnt. Geoff Engelstein und Ryan Sturm diskutieren in ihren ca. 45 Minuten dauernden Episoden über die Geschichte, Wissenschaft und das Design von Spielen.

Wenn die Englischkenntnisse nicht gut genug sind um die Amerikaner zu verstehen, gibt es leider (bisher) nur wenige Alternativen. Regelmäßige Audiopodcasts sind sehr rar. Am bekanntesten ist wahrscheinlich der “spiele-podcast“, der zwar was Tonqualität angeht nicht mit der Konkurrenz aus Übersee mithalten kann, aber schon seit langer Zeit und regelmäßig aktiv ist. Mit Ausnahme von Sonderepisoden zu Messen steht meist ein einzelnes Spiel im Vordergrund, das innerhalb von 10-25 Minuten rezensiert wird.

Online-Portale

Oft kommt es vor, dass man Lust auf ein Brettspiel hat, aber weit und breit ist kein Mitspieler zu finden. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Solo-Spiele (bzw. Varianten) oder den PC/Laptop anwerfen und ein Spiele-Portal besuchen. Es gibt wahrscheinlich mehrere kleine Portale aber ich stelle heute nur die beiden großen vor, die es im deutschen Raum gibt.

Yucata

Auf www.yucata.de kannst du zur Zeit 67 Spiele wie z.B. Finca, Drachenherz, Thurn und Taxis oder Stone Age spielen. Dort spielt man in der Regel asynchron (“turn-based”), also nicht gleichzeitig. Daher kann man einige Partien beginnen und ab und zu online gehen, um zu schauen ob man am Zug ist. Man kann sich auch eine automatische Mail schicken lassen, immer wenn man selbst an der Reihe ist. Natürlich besteht auch die Möglichkeit sich zu einem “schnellen Spiel” mit jemanden verabreden, der gerade online ist, und dann einen Zug nach dem anderen machen.

Meine Meinung: Die Website ist sehr übersichtlich, kann auf Deutsch oder Englisch dargestellt werden und ist visuell ansprechend. Das FAQ beantwortet mögliche Fragen und die Spielauswahl (samt kompletter Regeln) ist sehr vielseitig. Ein weiteres Plus ist das mittlerweile weit verbreitete Bestenlisten- und Rangsystem, das einen zusätzlich motiviert. Besonders gefällt mir die Möglichkeit, dass man 24 Stunden “als Gast spielen” kann und dafür keine Anmeldung nötig ist.

Brettspielwelt

Unter www.brettspielwelt.de findest du das wahrscheinlich bekannteste Portal für Brett- und Kartenspieler. Zwar stehen “nur” 45 Titel zur Auswahl, die haben es aber in sich: 7 Wonders, Dog, Dominion, Carcassonne, Siedler und noch viele beliebte Titel mehr. Meine Erfahrungen mit der Brettspielwelt (BSW) liegen schon ein wenig zurück aber damals waren alle meine Partien synchron (“simultaneous”), also war ich gleichzeitig mit meinen Gegnern online und wir haben einen Zug nach dem anderen ausgeführt bis die Spiele zu Ende waren.

Meine Meinung: Die BSW ist neben den Standardsprachen auch auf Niederländisch, Französisch und Italienisch verfügbar. Leider ist die Menüführung gerade für Neulinge eher unübersichtlich. Über die “Hilfe”-Funktion findet man jedoch recht schnell die Einführungsseite auf der alles Wichtige erklärt wird. Du kannst BSW auch über einen Downloadclient wie ein normales PC-Spiel starten. Damit hast du schnellere Ladezeiten und kannst dein Interface individuell anpassen.

Fazit

Das Internetzeitalter ermöglicht einem sich so ausführlich man möchte über Spiele zu informieren oder sie direkt online zu spielen. Ich persönlich bevorzuge jedoch immer eine Spielerunde mit Freunden in persönlichem Kontakt. Online geht dieses Feeling meist verloren. Man fühlt sich trotz Chatfunktion manchmal so, als würde man ein PC-Spiel gegen den Computer spielen. Podcasts hingehen nutze ich regelmäßig. Dies hilft mir zum einen dabei up-to-date über die Spieleindustrie zu bleiben und zum anderen werden dort viele Titel vorgestellt, die vielleicht genau das Spiel sind, wonach man schon so lange gesucht hat.