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Big Five | Spieletest Nr. 24: Big Five

21. Februar 2012 // Posted in Spieletests (Tags: , , , ) |  No Comments

Normalerweise folgen nach einer Spiel-des-Jahres-Auszeichnung recht bald viele offizielle Nachfolger des Siegertitels. Bisher blieb das für den Gewinner von 2011 (Qwirkle) jedoch aus. Vor kurzem habe ich aber ein kleines Amigo-Kartenspiel von Reiner Knizia entdeckt, das sich in vielen Aspekten ähnlich spielt wie das abstrakte Spiel des Jahres. In Big Five geht es für 1-4 Spieler ab 7 Jahre darum, Tier- oder Farbgruppen mit seinen Handkarten zu bilden und so alle Karten vom eigenen Stapel loszuwerden.

1. Spielmaterial

Keine Überraschungen hier: du findest in der kleinen Schachtel 100 kleine Karten, die jeweils ein Tier mit einer Hintergrundfarbe zeigen, und eine für Amigo typische gefaltete Spielanleitung.

2. Ziel

Werde als erster alle deine Hand- und Stapelkarten los, indem du sie den Regeln entsprechend an die Tier- und Farbreihen auf dem Tisch anlegst.

3. Spielaufbau

Die Vorbereitung geht schnell und einfach: Lege eine Karte offen in die Mitte und verteile die restlichen Karten gleichmäßig an die Spieler. Bei 2 und 4 Spielern bleiben Karten übrig, die aus dem Spiel genommen werden. Gerade bei 2 Spielern empfiehlt es sich nicht bis 49 einzeln auszuteilen, sondern einfach 2 Stapel zu formen, diese nebeneinander zu legen und so umzubauen, dass sie gleich hoch sind. Nun wird die Schachtel in die Nähe des Geschehens gelegt (dort sammelt man alle abgelegten Karten) und jeder Spieler zieht 5 Handkarten von seinem verdeckten Stapel.

4. Spielablauf

Nacheinander sind die Spieler nun an der Reihe Karten von ihrer Hand an die Karten auf dem Tisch anzulegen. Es gibt 5 verschiedene Tiere (Gorillas, Löwen, Elefanten, Giraffen und Zebras) sowie 5 unterschiedliche Hintergrundfarben. Jede Kombination kommt 4 mal vor, sodass insgesamt 100 Karten dabei sind.

Natürlich gibt es Regeln, die einschränken, wie man die Tiere und Farben verbinden darf. Wer Qwirkle kennt, ist hier klar im Vorteil, denn es gibt nur einen gravierenden Unterschied (Regel Nr. 2). Die drei Anlegeregeln für deine Handkarten lauten:

  1. Die Karten werden zu einer Gruppe abgelegt mit der alle neu abgelegten Karten waagerecht oder senkrecht verbunden sind.
  2. Mindestens eine Karte der erweiterten Gruppe muss vorher schon in der Auslage gelegen haben.
  3. In einer Gruppe dürfen sich nur entweder gleiche Tiere mit verschiedenen Farben befinden oder unterschiedliche Tiere mit gleicher Farbe.

Entsprechend der Regeln kann ich also maximal 4 meiner Handkarten im gleichen Zug ablegen. Das untere Bild zeigt, welche Karte in dem Beispiel abgelegt werden kann und welche nicht.

Den grünen Löwen links kann ich nicht ablegen, obwohl er in der grünen Reihe noch fehlt (da über ihm nur andere Löwen oder grüne Karten sein dürfen, dort aber ein violetter Gorilla liegt). Aber die grüne Giraffe kann ich rechts an die grüne Reihe anlegen.

Beispiel zur Regel 2

Im unteren Bild kann ich die beiden gelben Karten nicht legen, da diese Karten eine neue waagerechte Reihe bilden, von der vorher keine Karte auslag. Den gelben Elefanten allein darf ich hingegen legen, weil er die Elefantenreihe erweitert, von der vorher schon der grüne Artgenosse lag.

Boni für lange Reihen

Immer wenn du eine 4. Karte an einer Reihe gelegt hast, darfst du eine deiner Hand- oder die oberste Stapelkarte aus dem Spiel nehmen (in die Schachtel). Solltest du sogar eine 5. Karte an eine Farb- oder Tierreihe legen, darfst du gleich 2 Karten aus dem Spiel nehmen. Wenn du sogar die 4. und 5. auf einmal ablegst, wirst du gleich 3 zusätzliche Karten los. In seltenen Fällen kannst du sogar mehrere Reihen mit einer Auslage beenden, sodass du auch mal 4 oder 5 Karten aus dem Spiel nehmen darfst.

Am Ende deines Zuges ziehst du immer Karten von deinem Stapel nach bis du wieder 5 auf der Hand hältst. Sobald dein Stapel leer ist, musst du nur noch deine Handkarten loswerden und schon hast du gewonnen!

5. Meine Meinung

Obwohl ich das ähnliche Legespiel Qwirkle besitze, finde ich, dass es sich lohnt auch Big Five in meiner Sammlung zu haben. Das Letztere zeichnet sich durch folgende Unterschiede im Vergleich zu seinem inoffiziellen Cousin aus:

  • es ist klein, leicht und kompakt
  • es ist thematisch nicht abstrakt, sondern hat ein familienfreundliches Tierthema
  • das lästige Punkteaufschreiben ist nicht nötig
  • es spielt sich in 20 statt 40 Minuten

All diese Aspekte würde ich persönlich positiv bewerten. Folgende Gegenargumente sollten aber nicht vergessen werden:

  • Qwirkle bietet für wenig Geld hochwerte Holzkomponenten
  • Qwirkle bietet mehr taktische Legemöglichkeiten, da die Regel Nr. 2 von Big Five stark einschränkend wirkt

Meine Empfehlung:

Wenn du keines der beiden Spiele kennst, probiere sie auf jeden Fall mal aus! Falls du Qwirkle schon besitzt, solltest du die oben beschriebenen Argumente abwägen, um zu entscheiden, ob sich das Kartenspiel auch für dich lohnt. Ich jedenfalls bin froh beide in meinem Schrank zu haben.

6. Bewertung

7/10 Punkte

Durchblick! | Spieletest Nr. 22: Durchblick!

22. Januar 2012 // Posted in Spieletests (Tags: , , , ) |  1 Comment

Eigentlich sind Spiele, die mir Schnelligkeit abverlangen nicht so mein Ding. Als ich das erste Mal von Dominique Bodins Durchblick! gehört habe, fand ich es trotzdem aufgrund seiner innovativen Spielmechanik sehr interessant. So entschloss ich mich es mal auszuprobieren. Dabei merkte ich recht bald: Schnelligkeit ist bei weitem nicht alles, was dieses Spiel ausmacht. Räumliches Vorstellungsvermögen und Konzentrationsfähigkeit sind zwei weitere zentrale Elemente, die man braucht, um bei diesem Spiel von Cocktail Games gut auszusehen.

1. Material

In der handlichen quadratischen Metallbox findest du 64 Aufgabenkarten (aufgeteilt in 1-Punkt, 2-Punkte und 3-Punkte), eine sehr kurze Anleitung sowie je 4 transparente Farbquadrate mit rotem, gelben, grünen oder blauen Rand, auf denen einzelne bunte Punkte verstreut sind.

2. Ziel

Bilde das Muster auf der aufgedeckten Aufgabenkarte als Erster komplett richtig ab. Dafür musst du alle 4 deiner Farbquadrate benutzen und exakt übereinander legen. Hast du als erstes Punktekarten im Wert von mindestens 9 gesammelt, so bist du der Sieger!

3. Spielaufbau

Jeder Spieler wählt die 4 transparenten Farbquadrate einer Farbe und nimmt sie zu sich. Das war es schon.

4. Spielablauf

Alle Aufgabenkarten werden gemischt und mit der Rückseite nach oben in die Mitte gelegt. Nun dreht der jüngste Spieler die oberste Karte davon um und alle versuchen gleichzeitig das darauf gezeigte Muster mit ihren Farbquadraten nachzubilden.

Hier ein Beispiel einer 2-Punkte Aufgabenkarte:

Oben im Bild liegt die Aufgabenkarte. Darunter ist der Anfang schon gemacht: Die ersten 2 transparenten Quadrate sind übereinander gelegt, sodass schonmal 6 passende Farbpunkte an den richtigen Stellen liegen.

Nachdem ich das dritte Quadrat einige Male gedreht und gewendet habe, schien es wunderbar zu passen, aber einige Farben waren falsch, daher musste ich sie zwischen die beiden bisherigen Karten legen, damit manche der Farbpunkte von dem nun obersten Quadrat überdeckt wurden (siehe oben).

Das Bild unten zeigt das vollendete Muster. Es sieht vielleicht einfach aus, aber unter Zeitdruck muss der Kopf manchmal ziemlich dabei arbeiten. Sobald ein Spieler der Meinung ist er hat das Muster richtig nachgebildet, tippt er mit seiner Hand auf die Aufgabenkarte und die anderen müssen stoppen. Hat er Recht, bekommt er die Auftragskarte und damit ihre Punkte, hat er Unrecht muss er eine seiner schon eingesammelten Punktekarten wieder abgeben und die Knobelei geht weiter.

5. Meine Meinung

Wie diese Rezension ist auch das Spiel an sich: kurz und knackig. Durchblick! ist ein unterhaltsames Spiel für 2-4 Personen. Mit einer Sanduhr kann man aber auch solo gut gegen die Zeit spielen. Die 9 Punkte Zielvorgabe erreicht man recht fix, sodass eine Partie meist nach ca. 10 Minuten vorbei ist.  Natürlich kann man sich eine beliebige Zielpunktezahl ausdenken, wenn man ein kürzeres oder längeres Spiel haben möchte.

Das Spielmaterial ist gut verarbeitet. Fingerabdrücke kann man jedoch recht schnell auf den transparenten Quadraten sehen (was aber nicht schlimm ist, da man nur einmal feucht darüberwischen muss, damit sie wieder wie neu aussehen).

Mein Hauptkritikpunkt liegt darin, dass dieses Spiel nicht in jeder Besetzung Spaß macht. Wenn du einen Spieler in deiner Gruppe hast, der sehr gut und schnell im lösen von Puzzeln ist und die Mitspieler sind nicht so gut darin, dann wird dieser Spieler fast immer gewinnen und die anderen werden sich langweilen. Wenn deine Runde jedoch halbwegs ausgeglichen ist, so steht eurem Spielspaß nichts im Wege!

Ich kann Durchblick! allen empfehlen, die

  • gerne unter Zeitdruck knobeln
  • ihren Kopf trainieren möchten
  • ein schnell erklärtes Spiel mit wenigen Regeln mögen
  • auf der Suche nach einem gut zu transportierenden Mitbringspiel sind.

6. Bewertung

7/10 Punkte