Das Märchen vom Mondmäuschen

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Mondmäuschen

Es war einmal ein Mädchen. Sie war schon fünf Jahre alt und hatte sehr schönes Haar. Dicke goldene Locken. Ihre Mutter war sehr stolz auf das Haar ihrer Tochter und wollte sie auf keinen Fall schneiden lassen.

Aber die Kleine hat ihre Mutter oft darum gebeten, weil die Haare in der Nacht so durcheinander gerieten, dass man sie am Morgen kaum kämmen konnte. Manchmal kam es deswegen sogar zu Tränen. ”Aber so eine Pracht zu schneiden! Nein, nein, das kommt nicht in Frage!”, sagte die Mutter immer wieder. Es wäre vielleicht so weiter gegangen, wäre da nicht….

In eine Nacht konnte die Mutter nicht einschlafen, es war schon sehr spät. Plötzlich war ihr so, als höre sie Musik. ” Musik? In der Nacht? Aus dem Kinderzimmer? Das kann doch nicht sein! ” Die Frau ging vorsichtig zur Schlafzimmertür ihrer Tochter, öffnete sie leise und bleib stehen. Da sah sie voller Erstaunen: Auf einem dünnen Mondstrahl tänzelten und hüpften süße, hellblaue Mäuschen, von denen eines auf einer Flöte spielte. Im Tanz stiegen sie auf das Kissen des Kindes herunter.

Sie waren so niedlich, in ihren Ringelsöckchen, dass die Frau lächeln musste. Die Mäuschen liefen auf dem Kissen herum und streichelten das Haar. Sie piepsten sogar vor Bewunderung. Die Locken glänzten im Mondlicht, als ob sie aus purem Gold wären. Die Mäuschen spielten vergnüglich Verstecken und schlüpften durch die Locken, wickelten sie um sich wie einen Schal. Als sie ermüdeten, brachten sie das Haar so gut wie möglich in Ordnung und gingen den Mondstrahl hinauf wie kleine Seiltänzer.

Am nächsten Tag war die goldene Pracht ab. Abends, als das Kind schon schlief; betrat die Mutter das Kinderzimmer und legte das abgeschnittene Haar auf das Kissen. Die Locken wurden durch hellblaue Schleifchen zusammengehalten. Sie gab ihrer Tochter einen Gute-Nacht-Kuss und ging aus dem Raum. Als sie die Musik endlich hörte, eilte sie zu Tür. Sie konnte gerade noch sehen, wie die Mäuschen tänzelnd auf dem Mondstrahl immer höher und höher stiegen und so mit das Zimmer verließen-jede hatte eine goldene Locke wie eine prachtvolle Boa um ihren Hals geschwungen
Sie sah ihnen zu und war traurig darüber, die Mäuschen nie wieder zu sehen.

Und wenn eure Töchter morgens mit verwirrtem Haar aufwachen, wisst ihr das diese Mondmäuschen auch euch besucht haben.