• 30. November 2014 /  Allgemein

    Es dauert, darüber hinwegzukommen. Es dauert, bis man wieder Atmen kann, ohne das Gefühl zu haben von einem Gewicht zu Boden gezogen zu werden. Es dauert, bis man wieder ehrlich lächeln kann, es dauert, bis man wieder trinken kann ohne dabei in Versuchung zu geraten kann, jemandem zu schreiben, der es nicht verdient hat.

    Aber dann irgendwie, an einem nebligen, trüben Morgen wacht man auf, hat nichts im Kopf außer den üblichen Tagesablauf und die wachsende Vorfreude auf das Wochenende im Bauch. Der Tag endet unspektakulär, man liegt im Bett, ist hundemüde, die Augen fallen zu und man merkt wie man langsam abdriftet. Und dann kommt der Moment in dem man merkt, dass da kein Verlangen die Kehle zuschnürt und dass keine Wunschträume jegliche Gedanken besiegen, man liegt da und atmet regelmäßig, fest eingekuschelt in die Decke. Und man fühlt sich plötzlich frei und ungebunden – und dann kommt der Schlaf, der diesen kurzen Augenblick auch schon wieder ablöst.

    Diese Morgen, Tage, Abende werden sich häufen und man wird Gefallen finden am Lächeln anderer, man wird bemerken, wie sie beschämt die Augen niederschlagen und sich nervös durch die Haare fahren, wenn sie einem zuhören. Und die Schritte werden schwungvoller, die Worte gewählter, die Stimme lauter, klangvoller, die Augen wacher, die Abende länger, die Gespräche interessanter. Es mag sein, dass man immer wieder erinnert wird, an das, was war, was so sehr weh getan hat, aber die Messerstiche im Herzen werden zu Nadelstichen und diese tun gar nicht mehr so weh. Sie sind nur eine Erinnerung daran, dass da mal was war, was dir nicht gut getan hat, ein konstantes Memo an einen selbst, dass man nicht zurück will, kann, soll, muss, darf, was auch immer. Aber das ist es doch, in den Spiegel zu schauen und sich schön zu finden, und zu merken, wie man von anderen betrachtet wird, genüsslich, manchmal lustvoll, oft interessiert, begehrt, und ja, auch geliebt und leidend.

    Der nächste Schritt, ein paar Tassen, sagen wir Kannen, Kaffee später, den Weg weiter beschreitend, der einem vorherbestimmt ist, trifft man auf ein Augenpaar. Ein Augenpaar, das fesselt und beschäftigt. Und man kann nur schwer schlucken und nur krampfhaft grinsen, man kann nur viel zu laut lachen und viel zu inhaltlos sprechen. Und man fängt an, sich auszumalen was sein könnte und was noch alles passieren könnte und man freut sich auf ein Wiedersehen genauso sehr wie man Angst davor hat. Dann kommt irgendwann die erste Berührung und man scheint zu platzen vor Verlangen und Sehnsucht, man ist irgendwie angekommen und doch lange nicht am Ziel, das Spiel noch lange nicht gewonnen. Der Trick jetzt ist, nichts zu überstürzen, es zu genießen, dieses Ziehen in der Magengegend und das Chaos im Kopf wertzuschätzen. Noch tut es nicht weh, noch ist da nichts weiter als eine Glut im Bauch, die darauf wartet, zu einem Feuer entfacht zu werden.

    Und das wird geschehen, versprochen. Wenn nicht bei diesem Augenpaar, dann bei dem nächsten. Aber es dauert. Alles dauert. Aber alles wird gut, vielleicht auch sehr gut, und eventuell sogar perfekt. Wenn du warten kannst, wenn du Geduld hast, und wenn du mutig genug bist, dich nicht von einem Schmerz regieren zu lassen, der dir vor langer Zeit zugefügt wurde. Man muss weitermachen, auch wenn es sinnlos erscheint. Man muss sich dem Strom fügen und wenn man zu untergehen scheint, werden einen die anderen über Wasser halten. Und irgendwann kommt ein treibender Ast an dem man sich klammern kann, der einem ein Zuhause ist, was man nicht mehr missen möchte. Und weiter denke ich nicht. Auch wenn es dämlich ist, nicht alle Eventualitäten zu berechnen und zu erwarten: Wenn ich Angst vor Enttäuschungen habe, hätte ich nie anfangen dürfen zu lieben.

    Aber ich will. Also gehe ich das Wagnis ein.

    Auch wenn es schon wieder tiefbraune Augen sind, deren Sog mich gefangen hält, auch wenn es schon wieder blondes Haar ist, das mich zum Kraulen auffordert. Auch wenn es wieder dieses unschuldige Denken ist: Diesmal ist es anders. Es ist immer anders.

    Lass los. Alles wird gut.

    xxLinda;)oo

    Posted by Silver Silence @ 01:58

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kostenlos Blog erstellen - Blog Community Yesbo Yesbo - Yesbo unterstützen - Verstoß melden - Werben - Yesbo bei Facebook - Pinnwandbilder - Internetagentur Wagner - Online Dating‎ und Partnersuche - Bayerischer Wald