Heucheln und Fußball – eine tolle Kombination

Das war ja gestern wieder ein Paradebeispiel für geheucheltes Bedauern beim Spielabbruch Fußballpokal Osnabrück-Leipzig. Ein dummer Einzeltäter und so viele echte Fans. Fußball ist der sauberste Sport der Welt: Sie wollen doch nur spielen.
Die einzig ehrliche Antwort nach dem Feuerzeug-Wurf auf den Schiedsrichter wäre gewesen: Das kann zu jeder Zeit und in (fast) jedem Spiel immer wieder passieren; es ist eine logische Konsequenz aus dem, was Fußball heute ist bzw. wozu er gemacht wird. Für diese Aussage gibt es eine einfache Erklärung. Wer ständig mit dem Feuer spielt, muss sich über kleine und gelegentlich große Brände nicht wundern. Was meine ich?

1. Der Fußball wird zur scheinbar wichtigsten Sache hochstilisiert. Das rechtfertigt doch jedes Mittel.
2. Die offensichtlichen Ungerechtigkeiten zwischen einem Fußballer-Gehalt und dem eines Angestellten oder Facharbeiters oder Lehrers oder … bedingt eine ständige Emotionalität beim Thema Fußball. Um den reinen Sport geht es also schon sehr lange nicht mehr.
3. Das schnelle Gemeinschaftsgefühl auf dem Platz lässt die Persönlichkeit und damit das individuelle Denken sehr schnell in den Hintergrund treten. Es schaukelt sich schnell was hoch.
4. Die einfach Konstellation Verein-Gastmanschaft, Unsere-Gegner, Freund-Feind reduziert alles auf Kampf, es ist kein Spiel mehr.
5. Das allgemeine Absinken der Hemmschwelle in der Gesellschaft und die Etablierung der Gewalt als Mittel zur Durchsetzung eigener Interessen sind unheilvolle Rahmenbedingungen.

Also bitte: Versucht es, wenigstens ein bisschen ehrlich zu sein. Oder noch besser: Beginnt  endlich damit, konsequent gegen Unsportlichkeit und Gewalt auf dem Fußballplatz vorzugehen. Medien, Fußball-Verantwortliche und Sportler, besinnt Euch auf die positiven Ansätze eines sportlichen Wettkampfes: Mit Ehrgeiz und Können den Gegenspieler zu übertrumpfen und nach dem Spiel mit einem guten Gefühl ob der eigenen Leistung duschen zu gehen. Dabei schauen richtige Sportfreunde gern zu.

Schizophren

Am 7.06.11 habe ich gehört,

daß sich die Regierungschefs der USA und Deutschlands in einem Nobelhotel treffen, um über die aktuelle Schuldensituation zu sprechen. Finde ich nicht nobel, sondern typisch… andere würden sagen: schizophren.

Bericht der Ethikkommission

Da ist er nun, der Bericht einer Ethik-Kommission zum Thema Atomausstieg. Und schon sind wir alle viel schlauer, was dieses Thema, nein, was die gesamte Thematik „Energieversorgung eines Industriestaates“ angeht. Kein Wunder, saßen dort ja auch die kompetentesten Köpfe dieses Landes zusammen. Atomphysiker, Energiestrategen, Wirtschaftswissenschaftler, Visionäre der Menschheit. Da kann man sich schon darauf verlassen, dass etwa das Datum, bis wann ein Land wie Deutschland eine völlige Energiewende hinbekommen kann, hieb- und stichfest ist. Ach nein, es waren ja z. B. Pastoren, Umweltschützer, ein Soziologe. Es ging ja um Ethik. Aber warum ist die Überschrift des Abschlussberichtes dann nicht: „Atomstrom ist verwerflich.“ oder „Atomstrombezieher sind zu verurteilen.“ Sozusagen das 11. Gebot: „Du sollst keinen Strom akzeptieren, der aus einem AKW kommt.“ Das wäre doch die logische Zielstellung einer Ethik-Kommission gewesen. Mehr kann die doch nicht leisten. Alles andere – technische Machbarkeit und/oder ein genaues Datum einer Wende – ist doch so nicht zu begründen!

Will man da wieder einmal nur Aktionismus vortäuschen? Die seit Fukushima aufgebrachte Wählerschaft mit Scheinresultaten beruhigen? Sehr wahrscheinlich. Was mich aber an dieser Sache ganz besonders aufregt, ist: So kann keine sachliche Diskussion zustande kommen. Aber nur eine an der Sache ausgerichtete Debatte zum Thema „Zukunftsträchtige Energieversorgung eines Industriestaates“ kann uns auf den richtigen Weg bringen. Dazu gehört als erstes: Fakten auf den Tisch! Wieviel Energie brauchen/verbrauchen wir heute und in Zukunft (die Autos sollen ja auch bald strombetrieben fahren…) Wieviel wird gegenwärtig durch die AKWs, mit Braunkohle, durch die Windräder, durch Solarzellen erzeugt? Mit welchem Wirkungsgrad? Wird Strom exportiert, importiert, wann und wieviel? Wo überall geht Energie verloren (im Sinne von bleibt für Firmen und Menschen ungenutzt)? Dann geht es weiter: Welche Energiequellen gibt es tatsächlich, in welcher Größenordnung? Wie wird die Entwicklung der Energieerzeugung in den nächsten 5, 20 und 50 Jahren sein? Wo kann Energie gespart, wo der Wirkungsgrad erhöht werden? usw. usw.

Ihr seht, es gibt viele Fragen zur Thematik „Energieversorgung der Zukunft“. Da werden Antworten gebraucht, und zwar von wirklich unabhängigen Fachleute. Da sollte man mit unvoreingenommener, sachbezogener Ideensuche endlich mal anfangen.

Was ist Zivilcourage?

Am 28.05.11 habe ich gelesen,

was Konstantin Wecker auf die oben genannte Frage geantwortet hat: nicht schon vorauseilend feige zu sein. Das finde ich eine zutiefst menschliche und sympatische Antwort. Wer will schon von sich ehrlich behaupten, in jeder Situation mutig zu sein. Ein bißchen ängstlich sind wir doch alle, oder? Wo also fängt die Zivilcourage an? Genau dort, wo man das seinen Möglichkeiten entsprechende tut; bereit ist, etwas zu wagen für andere, für eine wichtige Sache, ohne sie als erstes auf den eigenen Vorteil hin abzuklopfen. Wenn man also trotz eigener Ängste nicht schon vorauseilend feige ist.

So geht Logik richtig.

Ich habe am 26.5.11 gehört,

daß unserer neuer Wirtschaftsminister etwas dagegen unternehmen will, daß die großen Benzinkonzerne ständig die Preise erhöhen: Er will verbieten, daß die mehrmals am Tag die Preise nach oben schrauben dürfen. Das dürfen die bald nur noch 1 x täglich – wenn er sich durchsetzt. Toll: statt früh 1 Cent und Mittag 1 Cent früh 2 Cent. Ich muß mal bei Gelegenheit nachrechnen, wieviel den Konzernen da durch die Lappen geht und dem Autofahrer mehr in der Tasche verbleibt. Wie gesagt: bei Gelegenheit.

Beste Voraussetzung für einen hoch dotierten Posten.

Ich habe am 25.5.11 gehört,

daß die französische Finanz- usw. Ministerin Lagarde hat ihre Kandidatur für den freien IWF-Chefsessel kundgetan hat, was querbeet auf wohlwollende Zustimmung trifft. Kein Wunder, schließlich ist gegenwärtig ein Gerichtsverfahren wegen Vorteilsnahme gegen sie anhängig. Also: Bessere Voraussetzungen/Referenzen kann ein Politiker/eine Politikerin garnicht vorweisen. Meine Meinung: die ist so gut wie gewählt.

Außen hui und innen pfui.

Ich habe am 24.5.11 gehört,

daß die groß hofierten Großarbeitgeber um Leipzig ihre Arbeitskräfte aus den alten BL mitbringen (aufgefüllt wird mit Zeitarbeitern aus der Region) und für die sogar extra Wohnungen bauen.

Das nenne ich doch mal clevere Ostförderung: Die staatlichen Geschenke für die neuen BL mitnehmen und den alten BL Arbeit verschaffen. Da schlägt man aber etliche Fliegen mit einer Klappe. Und damit sich keiner wie in Finsterosten fühlt, gibts die Wohnung dazu.

Muß ich es jetzt komisch finden, daß die Regionalpolitiker das mitmachen und die Medien sowas feiern? Ich schwanke zwischen Begeisterung für diese Clevernis und Wut über diese Lügerei.

Reden um des Redens Willen?

Wundern gibt es immer wieder … oder auch nicht.

Die kritischen Themen, die während des gesamten Wahlabends angesprochen wurden, sind ja wirklich nicht neu: Schönreden der Situation durch die Verantwortlichen: Gab es schon vor der Wende und hält zur Zeit fröhliche Urständ. Politikverdrossenheit durch Nicht-Wählen-Gehen zeigen: Allseits bekannter und immer und überall benannter Trend. Altersarmut: Logisch.

Was mich wundert, ist eins: Was sollen diese Sendungen/Diskussionen, die durch das tausendste Beispiel schön belegen, was hinlänglich bekannt ist? Sollten wir nicht endlich einen Schritt weiter gehen? Zum Beispiel in der Art, dass wir nach Lösungen/Änderungen/Besserungen suchen? Wem nutzt die x-te Aufwärmung dieser allseits bekannten, weil oft genug in der eigenen Umgebung erlebten Fakten? Ich sag es: Niemandem. Höchstens (und jetzt Vorsicht, es folgt eine kleine, gemeine Unterstellung) denen, die am Fortbestand des Status quo interessiert sind und es geschafft haben, die Medien zu willfähigen Werkzeugen dafür zu machen.
Es lebe die Scheindiskussion, weil diese Aktivität vortäuscht und dabei keinen Schaden anrichtet!
Es leben die Medien, die totales Dabeisein ausstrahlen und dabei den Kern aus den Augen verlieren!
Es leben die Moderatoren, die bis zum Punkt kommen (würden), wenn sie nicht 2 cm davor locker aufs nächste Thema umschwenkten.
Mein Fazit:
Wie immer wird viel geredet (mehr und lockerer und deutlicher als in der DDR, Hut ab), aber zum Kern und erst recht zu Schlussfolgerungen und erst rechter zu Lösungsansätze, die was ändern zu versprechen lohnen, kommt niemand.

Das wundert mich… nicht.
Dabei würde ich mich gern mal wieder wundern.

Stimmt das System?

Es ist eine Weile her (als die Flut in Mitteldeutschland in aller Munde und in allen Medien war), da habe ich gehört, dass einer etwas gebraucht hat, um die Folgen der Flut zu minimieren – leider weiß ich nicht mehr, was es war – und er den Markt nach allem Verfügbaren abgegrast hat. Da der Bedarf in dieser besonderen Situation selbstredend hoch war, ist der Preis – selbstredend – in die Höhe gegangen ist. Das ist logisch/systemgerecht/selbstverständlich, sagt wohl jeder. NEIN! Das ist krank! Wie kann es normal sein, eine Notsituation so ganz normal für einen zusätzlichen Gewinn zu nutzen? Das Angebot bestimmt die Nachfrage. Dieses Beispiel zeigt, dass dieses System einfach nur krank ist.

Ach ja, die Richter…

Heute gings im Radio (immer wieder mdr info) um das Thema Deal und zwar vor/bei/am Gericht.

Da gab es ein Urteil dazu vom Bundesverfassungsgericht, in dem (sinngemäß) gesagt wird, dass ein Deal zwischen Gericht und Angeklagtem ok ist, aber: Die Richter sollen sich stärker ans Gesetz halten. Hä? Falscher Film?
Bisher war ich der – anscheinend – naiven Ansicht, dass das Ans-Gesetz-halten die erste aller Selbstverständlichkeiten eines Richters ist. Ist der nicht sogar der Gesetzeshüter? Und jetzt muss man ihn in diesem Zusammenhang dazu auffordern, sich ans Gesetz zu halten? Ja. Falscher Film. Nein – leider: Falsche Realität.

Und was das Schärfste daran ist: Niemand der zahlreichen „Kommentatoren des Tages“ findet das in irgendeiner Weise bemerkenswert. In dem Sinne: Es wird keine Bemerkung darüber verloren! Ich verstehe diese Welt einfach nicht. Selbstverständlichkeiten werden angemerkt oder nicht bemerkt und über Nebensächlichkeiten wird die Meinungsflut ausgegossen und die Diskutierwut ausgelassen und Herzensglut ausgeschwendet (blödes Wort, aber es hat so gut in die Reihe gepaßt). Da haben wir noch viel zu tun, um endlich an den Anfang alles Wichtigen zu kommen: Uns auf der Grundlage der Selbstverständlichkeiten über die Probleme der Gegenwart und die Möglichkeiten der Zukunft zu unterhalten.


Kostenlos Blog erstellen - Blog Community Yesbo Yesbo - Yesbo unterstützen - Verstoß melden - Werben - Yesbo bei Facebook - Pinnwandbilder - Internetagentur Wagner - Online Dating‎ und Partnersuche - Bayerischer Wald