• 29. Mai 2014 /  Allgemein

    Wir waren Kaffetassen, die im Morgennebel vor sich hindampften, darauf wartend, getrunken zu werden. Wir waren sonnige Tage, die auf der Haut brannten und von hellem, erschöpftem Lachen geprägt waren. Wir waren zerzaustes Haar und Lieder, über deren Texte wir nie nachdachten. Wir waren Pläne, aber niemals Versprechungen. Wir waren blau und braun und dachten, dass das funktionieren würde, aber ob wir daran glaubten, das weiß ich nicht. Wir waren kaputt, waren die Schatten die nachts in einem Auto saßen, bei prasselndem Regen. Wir waren die Tränen, die wir zu unterdrücken versuchten und es auch schafften, weil die Angst zu groß war. Wir waren das ‚Vielleicht‘ und das ‚Ich weiß es nicht‘. Wir waren die Kippenstummel, die keinen Platz mehr im vollen Aschenbecher fanden, waren die Sonnenbrillen, die uns vor den sehenden Blicken des anderen schützten. Wir waren das, was wir vorgaben zu sein. Stark, unabhängig, schön.

    Und jetzt sind wir verschlossene Lippen und Berge von Gedanken, die niemals ausgesprochen werden. Jetzt ist aus dem ‚Alles‘ ein ‚Nichts‘ geworden. Und der Schmerz vergeht, lässt mich alleine mit etwas anderem, das sich mir noch nicht vorgestellt hat.

    Ich habe Schwäche gezeigt in Momenten, in denen ich es nicht hätte tun sollen. War zu stark in Situationen, in denen man schwach sein darf. Hab zu viel geredet, wo Stille angebracht war und zu wenig darüber gesprochen, was mich bewegt hat. Hab zu oft geschwiegen und geschluckt, zu wenig geschrien und gelacht. Alles in allem hab ich vieles falsch gemacht und vielleicht hat uns das auch schließlich an den Abgrund gebracht.

    Aber ich weiß, dass ich mir nichts vorzuwerfen habe. Ich weiß, dass ich immer ehrlich war, was meine Gefühle betraf, das nichts gespielt war, nichts verfälscht. Dass ich dich geliebt habe und dass ich dich immer lieben werde.

    Doch das war nicht genug.

    Das war nicht genug.

    Eines Tages wirst du erkennen, wirst du verstehen und möglicherweise wirst du bereuen. Dann aber ist es zu spät. Denn jetzt hast du mich freigelassen. War nie ein Haustier, ein Hündchen. War immer ein Wolf, der jetzt ausbricht, in die Freiheit. Ein einsamer Wolf, der durch die Wildnis streift, er sucht und sucht und weiß nicht nach was. Weiß, dass er alleine sein kann, dass er aber nicht will.

    Ein Wolf, der auf die Fährte wartet, die ihn letztendlich zum Ziel führen wird. Ja, das bin ich. Und irgendwie gefällt mir dieser Gedanke. Mir gefällt die Vorstellung, durch die Wälder zu streifen und den Tau zu schmecken, die Sonnenstrahlen zu spüren, die durch die Baumkronen schleichen, die Erde unter meinen Pfoten zu spüren und zu dem Geräusch der Nachtigall einzuschlafen. Ich bin auf der Suche. Und ich werde finden.

    Ja, daran glaub ich ganz fest. Wenn du es nicht warst, ist es jemand anderes. Da muss irgendwo noch ein anderer Wolf umherstreifen.

     

    In Dankbarkeit und freudiger Erwartung,

    Lizzie

    Posted by Silver Silence @ 22:47

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